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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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kleinern Klötze gelegt und in dieser Lage die Stäbe nebst Klötzen an jedem Ende- auf eine Schuur gereihet

werden. Man erhält so einen breiten und einen schma- leren Theil des Halskrageus. Letzterer mit den Enden der Schuuren wird um den obern, Ersterer um den un- tern Theil des Halses befestiget. In allen Fällen, wo Nuchblutuugen zu fürchten sind und wo deſshalb die Thiere aufrecht stehend gehalten

werden, läfst mau ihnen gewöhulich auch keine Streu

unter die Fülse legen, weil man auf dem bloſsen Fufs-

boden eine eintretende Nachblutung eher wahrnebmen und das Quantum des eutleerten Blutes richtiger schätzen kann als bei vorhandeuer Streu, wo Beides oft sehr schwierig ist. Wie lange das Stehen der Thiere ſortdauern soll? ist baupt achlich von der fortdauernden oder gehobenen Gefahr eiuer Blutung, Zerreilsung u. S. W. abhängig; gewöhnlich aber. kann man ihnen nach Ver- lauf von 24 bis 48 Stunden, während welcher Zeit die Blutgefäfse durch Bildung eines ſesten Thrombus sich geschlossen baben, das Niederlegen gestatten. Tritt ein heftiges Reiafieber hinzu, zeigen sich die Thiere sehr angegriffen und ohue Appetit, so ist für sie das Niederlegen eins der gröfsten Beruhigungs- und Heil- mittel.

Drittes

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Die Diät der operirten Thiere mufs in der Mehrzahl dan Fälle und in der ganz ersten Zeit darauf gerichtet sein: die Funktionen der Organe nur im Gange zu er- halten, ohne die Letzteren heftig zu reizen, ohne Or-

R gasmus und ohne Congestionen zu erregen. Demgemäſs giebt man ihnen nur schwach nährende, leicht verdau- liche und milde Nahrungsmittel in kleineu Quantitäten, dabelh sabere kühlendes Getränk(Wasser, Kleientrank, für kleine Thiere verdünnte Milch) in der Menge, daſs sie iihren Durst stets vollständig stillen können. Wenn das W undfieber vorüber ist, darf man den Thieren eine, ihrem Körper sonst mehr angemessene, kräftigere Nah- rung geben. Eine Ausuahme von dieser Diät findet da statt, wo die Thiere durch Blutverlust bei oder nach der Operation, durch vorausgegangene zu reichliche Ei- lerung u. dgl. sehr geschwächt sind, und wo deſshalb zur Beförderung eines guten Bildungsprozesses eine reichlichere Ernährung mit kräftigen Mitteln erforder- lich ist. bndod 9

2 Die weitere chirurgische und die oft nöthige thera- peutische Behandlung richtet sich immer ganz nach der Eigenthümlichkeit der besonderen Fälle, und ist daher nach den Regeln der Enieuneie und der Therapie zu leiten.

Mapltel.

Von dem Halten und Befestigen der Thiere bei chirurgischen Operationen und von den Hülfsmitteln dazu.

§. 27. b.

Fast jede chirurgische Operation ist mit Schmera- erregung begleitet, weſshalb sich die Thiere derselben zu entziehen suchen oder auch die weiteren operativen Eingriffe gewaltsam abwehren. Letzteres geschieht mit den, von der Natur einer jeden Thierart verliehenen be- sondern Waffen. Diese mufs man daher in jedem Falle vor der Operation auf irgeud eine Weise unbrauchbar zu machen, auſserdem die Empfindlichkeit des Thieres zu vermindern und dasselbe so zu befestigen suchen, dafs es während der Operation in der, zur Ausführung derselben, zweckmäſsigsten Lage sicher gehalten wer- den kann. 49 03

Hierzu benutzt man, je nach Verschiedebheit der Thiere, und j je nachdem dieselben im Stehen oder im Liegen und an verschiedenen Theilen operirt werden sollen, folgende Hülfsmittel.

4. Bei Pferden.

1) Die Zäumung. Pferde werden für die aller- meisten Operationen am besten mit einer einfachen, aber starken, festen Treuse aufgezäumt und deren Zügel un- ter dem Kinn kurz zusammengenommen und festgehal- ten. Manche Thierärzte lassen diese Trense an dem Backenstück in der Augengegend mit Scheuklappen ver- sehen, was bei sehr furchtsamen, bei falschen und

bösen Pferden, welche mit Ueberlegung sicher nach den

gesehenen Gegenständen schlagen, und eben so bei Pfer-

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den, welche man niederlegen will, wohl nützlich ist. Bei einigen Operationen im Maule, an der Zunge, dem Gaumen, den Zähnen u. s. w. verdient eine feste Halfter den Vorzug vor der Trense, weil hier das Mundstück der letztern den Raum beengt.

2) Bremsen(Brämsen, Premsen) sind Druck- oder Prefs-Instrumente, vermittelst welcher man die Lippen, oder die Ohren, oder auch die Backen der Thiere so stark zusammenpreſst, daſs an diesen empfind- lichen Theilen ein heftiger Schmerz erregt, hierdurch die Aufmerksamkeit der Thiere von der Operationsstelle abgeleitet und somit gewissermaaſsen die Empfindlichkeit an derselben vermindert wird. Bei einem sehr hohen Grade der Wirkung scheinen die Thiere zuweilen ganz betäubt zu sein.

Es giebt drei Arten von Bremsen, nämlich: a) die gewöhnliche Band-, Stiel-, oder Stock-Bremse, 5) die polnische Bremse, und c) die eiserne Bremse.(Nach dem Orte der Applikation bezeichnet man dieselben wohl auch als N asen-, Lippen- oder Ohren-Bremsen.)

a) Die erstere besteht im Wesentlichen aus einer Oehse oder Schleife von Band, welche um eine Lippe oder um ein Ohr gelegt und dann mittelst eines durch dieselbe gesteckten hölzernen Stiels oder Knebels in der Längenachse des Bandes zusammengedrehet und veren-

gert wird, bis der beabsichtigte Grad des Druckes

hervor-