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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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Das Hervorquellen und die Einklemmung eines Theiles der Fleischwand ist eine der übelsten Compli- kationen, weil hierdurch andauernde Entzündung und Eiterung, heftiger Schmerz und Lahmheit entsteht. Die Ursache dieses Zustandes ist gewöhnlich eine Reizung der Fleischwand oder der Krone durch eingedrungene fremde Körper, oder durch rauhe, ungleiche, nach iunen wuchernde, verdickte, oder auch durch lose und zu be- wegliche Hornränder. Die Aufgabe ist hier: die frem- den Körper, so wie die wuchernden oder losen Horn- ränder wegzunehmen und die bleibenden Ränder zu ver- dünnen, die ungleich gewachsenen aber in fester Ver- bindung befindlichen Horntheile bis auf die Fleischwand zu verdünnen, die hervorgetretene Fleischwand oder die aus ihr entstandene üppige Granulation bis auf die ge- sunde Fläche der Fleischwand abzuschneiden und den Huf im Ganzen so wie im Eingange dieses§. angegeben, auszuschneiden und zu beschlagen. Die Ausführung dieser Einzelnheiten muſs, je nach den besondern Umständen des Falles, der Einsicht des Thierarztes überlassen bleiben. Sie kann mit scharfen Instrumenten in der Re- gel am stehenden Pferde geschehen, nachdem dasselbe gut gebremset und der kranke Fufs auf einen Beschlag- bock gesetzt oder von einem starken Gehülfen gehörig aufgehoben und gehalten ist. Doch giebt es einzelne Pferde, die an der hervorgequollenen Fleischmasse so sehr em- pfindlich sind, daſs sie bei jeder Berührung derselben sich heftig widersetzen und deshalb zur Operation nie- dergelegt werden müssen, was so geschiehet, daſs die leidende Seite des Hufes die obere und der kranke Fuſs wie zur Auslösung des Hufknorpels gebunden wird. Nach der Operation auf obige Weise reiniget man die Spalte von dem etwa aus der Fleischwand ausgesicker- ten Blut, füllt die ganze Vertiefung mit dicken Werg- tampons so aus, daſs dieselben einen halben Zoll über die Hornwand hervorragen, und legt darüber eine Binde fest an.

Hiernach läſst man den Huf in den ersten 2 Tagen mittelst kalter Bäder oder durch fleiſsiges Begiefsen recht kühl halten, und giebt dem Pferde Ruhe und ma- geres weiches Futter. Treten keine besonderen Zufälle ein, so erneuert man den Verband erst nach 3 Tagen,

und so auch später nur jeden 2ten oder 3ten Tag. Je nach der Thätigkeit, welche sich in der Fleischwand zeigt, verbindet man entweder trocken oder mit gelind adstringirenden und andern passenden Mitteln.

Bei Spalten mit Hornwucherung schreibt Diete- richs(Akiurgie S. 482, desgl. in dem Handb. d. Vet.-

Chirurgie) vor: das Pferd niederzulegen, den kran- ken Fufs so auszubinden, dafs die Spalte nach oben zu liegt, um den Fessel ein Band als Tourniquet zu binden, zu jeder Seite der Spalte, etwa ¼ ¾ Zoll

von derselben entfernt, oder nach Maaſsgabe der innern Hornwucherung mehr oder weuiger, vom Saume bis zum Sohlenrande mit einem Rinnmesser eine Rinne bis in die weiche Hornmasse auf der Fleischwand, und eine eben so tiefe Rinne auch in der weiſsen Linie unter der Spalte zu schneiden, den Rest des Horus an allen drei Orten mit einem geballten Messer bis in die Fleischwand zu trennen, dann mit der Zange das so begränzte Horn- stück(oder bei durchgehender Spalte wohl die beiden Hornstücke) am Sohlenrande zu fassen und durch Um- biegen und Ziehen nach der Krone hin das Stück Horn- wand von der Fleischwand ganz abzulösen. Letzteres kann man durch Abbiegen des Hornstückes mittelst einer unter seinen Rand geschobenen Hauklinge und durch Nachhäülfe mit einem lorbeerblattförmigen Messer, mit welchem man die Hornblättchen von der Fleischwand trennt, sehr erleichtern. Dann wird ein geschlossenes, von der leidenden Wand abstehendes Hufeisen aufge-

schlagen, ein Druckverband angelegt, hiernach das zu-

erst um den Fessel gelegte Band abgenommen und eine entzündungswidrige Behandlung eingeleitet.

Diese Operation ist für das Thier weit schmerzhaf- ter und die Heilung erfolgt weit laugsamer als bei dem vorhergehend bezeichneten Verfahren, und sie wird des- halb, da sie durch letzteres überall zu ersetzen ist, von erfahrenen Praktikern nur äufserst selten angewendet.

QComplikationen der Hornspalten mit Steingallen und andern Hufkraukheiten verlangen stets eine Berücksichti- gung der Art, daſs das überflässige Horn an den lei- denden Stellen verdünnt und ein für den Zustand pas- sendes, am besten ein geschlossenes Hufeisen so aufge- legt werde, dafs auf diese Stellen kein Druck entsteht.

L. Die Operation der Steingallen, der Abscesse im Hufe, des sogenannten Nageltrittes, und das Wegnehmen der Hornsohle.

§. 186.

Die operative Hülfe bei den sogenannten Steingal- len besteht allein darin, daſs man das Horn der Sohle in dem Eckstrebenwinkel, oft auch an den Eckstreben und selbst einen Theil der Trachtenwand an der leiden- den Stelle gehörig, d. h. so ausschneidet, dafs alles mit Blut infiltrirte oder vertrocknete Horn der Eckstreben- winkel bis auf die Fleischsohle durchschnitten, alles ab- getrennte Horn weggenommen, und die Sohle im Um- fange der Steingalle verdünnt wird. Ist der Eiter un- ter der Wand in die Höhe gegangen und hat die Haut an einer Stelle über dem Saume erweicht, so öffnet man dieselbe mit einem spitzen Messer; ist der Saum bereits

getrennt, so löset man den getrennten Theil bis unter die Krone ab und verdünnt den Rand. Dies Alles ge- schieht in der Regel am stehenden Pferde, nachdem der Fufs wie zum Beschlagen aufgehoben worden ist, mit- telst des Wirkmessers oder des Rinnmessers. Manche Thierärzte bedienen sich dabei anch des Hufbohrers, doch ziehe ich ihm das Rinnmesser vor, weil man da- mit auf eine gröſsere Fläche wirken kann. Für et- was Wesentliches halte ich es sowohl hier wie auch bei allen andern Hufkrankheiten, bei denen ein Theil der Sohle, des Strahls oder der Wand sich von den Weich- gebilden abgetrennt hat, daſs alles getrennte Horn bis an die Grenze der in fester Verbindung befindlichen Theile mit dem Wirkmesser, oder dem Rinnmesser und

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