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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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oder mit dem eben so zusammengelegten Sacke und legt darüber die Deckengurte um den Leib. Durch letztere wird die Compresse in der Lage erhalten, zugleich die Naht an der Bauchwunde unterstützt und die zu heftige Ausdehnung der Bauchwände beim Aufstehen des Thie- res u. s. w. verhütet. Man läſst nun das Thier ent- fesseln, vorsichtig aufstehen und sucht es in den Stall zu bringen. Hier stellt man es(kleinere Thiere legt man) mit dem Hintertheil höher. Die Bandage muls in den ersten Tagen liegen bleiben und von Zeit zu Zeit nachgesehen werden, ob sie nicht zu locker oder zu fest liegt, und besonders, ob die Gurten nicht auf die Wirbelsäule drücken. Je nach dem Befund macht man

sie etwas lockerer oder fester, und uneben der Wirbel-

säule legt man unter sie etwas glattes Stroh, Werg oder Leinwand. Das Thier mufs möglichst ruhig, in gauz magerer Diät und in einem mäſsig warmen Stalle gehal- ten werden. Die Kothentleerung erleichtert man durch Klystire von schleimigen Flüssigkeiten, die Harnentleerung durch täglich dreimal wiederholte Applikation des Katheters (letzteres jedoch nur, wenn das Thier dadurch nicht beunruhiget wird). In das Getränk giebt man Salpe- ter, und wenn dennoch Eutzündungs-Symptome erschei- nen, macht man reichliche Aderlässe und giebt innerlich Calomel. l)as Euter mufs, je nachdem es sich mit Milch füllt, ausgemolken werden. Das Junge an dasselbe zu legen, ist wegen der damit verbundenen Beunruhigung nicht zweckmäſsig. Nach 4 6 Tagen macht man die Bandage zuerst so locker, dafs sie fast nur am Leibe häugt und nimmt sie 6 8 Stunden später ganz ab. Auf diese Weise wird ein plötzlicher Wechsel der Tem- peratur am Leibe des Thieres vermieden. Man reiniget die Wunde mit lauwarmem Wasser, entfernt die locker gewordenen Hefte und legt dann eine reine Bandage, gleich der vorigen, wieder an, um die noch liegenden Hefte und die durch adhäsive Entzündung frisch entstan- dene Vereinigung zu unterstützen. Denn diese ist selbst im günstigsten Falle nach 4 6 Tagen noch nicht so ſest, daſs sie den Dehnungen der Bauchwände bei Be- wegungen des Thieres, beim Aufstehen und Niederle- gen u. s. w. sicher widerstehen könnte; dies ist erst nach 12 14 Tagen der Fall, und bis dahin muſs die Bandage angewendet, jedoch zur Reinigung der Wunde und zur Eutfernung der letzten Hefte jeden zweiten Tag einmal abgenommen werden. Die Bandage ist um so mehr nöthig, wenn einzelne Hefte in dem ersten

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Zeitraume durch die Wundränder gerissen sind; weil man an stehenden Thieren selten neue Hefte anbringen kann, das Niederlegen hierzu aber bei Pferden und Rin-

dern nicht geschehen darf. Im Uebrigen wird das Thier so behandelt, wie vorstehend angegeben ist. §. 150

Bei dem Gebärmutterschnitt durch die Flanke macht man, nachdem die nöthigen Vorbereitungen(wie oben S. 182 u. 183 gesagt) geschehen sind, an der gewählten Flanke durchdi e Bauchwand eiuen Schnitt, der wieder

wie bei der andern Methode, bei groſsen Thieren 8 bis

10 Zoll, bei Schaafen gegen 5 Zoll lang sein muſs. Dieser Schnitt begiunt bei Ersteru etwa 3 Zoll, bei Letztern 1 Zoll vor und unter dem Darmbeinswiukel und geht schräg nach unten und ein wenig nach vorn. Er durchtrennt, aufser der Haut, einen Theil des Bauch- hautmuskels, des äufsern und innern schiefen und des queeren Bauchmuskels bis auf das Bauchfell. Letzteres öffnet man auf die oben gelehrte Weise vorsichtig, so daſs Verletzungen der Gedärme vermieden werden. Etwa blutende Gefäfse schliefst man sogleich durch Zudrehen oder durch Ligatur, und die an der Oeffnung liegenden Därme schiebt man nach vorn in die Bauchhöhle und läfst sie auf die im vorigen§. angegebene Art zurückhalten.

Hierauf öffnet man den Uterus mit einem der Gröſse des Thieres angemessenen Schnitt(wie oben), welchen man in der Längenrichtung des Organs, aber etwas schräg von der obern Fläche zur Seite führt; eben so öffnet man die Fruchthäute, zieht den Foetus heraus, unterbindet und durchschneidet die Nabelschuur, löset und entfernt die Nachgeburt, reiniget mit dem Schwamm den Uterus von Blut und Fruchtwasser und vereiniget die Wunden mit Heften der Knopfnath, ganz so wie bei der ersten Methode. Eiuige französische Thierärzte ha- ben den untern Wundwinkel nicht durch die Naht, son- dern nur mit einem Werg-Tampon geschlossen, um durch Weguehmen desselben den, in der Bauchhöhle angesammelten Flüssigkeiten einen Ausweg zu verschaf- fen. Letzteres ist jedoch nicht uöthig, da mäſsige Men- gen dieser Flässigkeiten durch Resorption beseitiget werden, bei groſsen Quantitäten aber der Tod durch die Bauchfelleutzündung erfolgt, welche durch das Eindringen der Luft durch die Oeffnung sogar sehr au- geregt werden kann. Snie

Die Nachbehandlung ist im Wesentlichen ganz so wie im vorigen§. gelehrt worden ist.

XXXIX. Die Amputation oder Eæstirpation der Gebäârmutter(Amputatio Uleri).

§. 151.

Diese Operation besteht in dem kunstmäſsigen Ab- lösen der vorgefallenen Gebärmutter von der Scheide und in dem dauernden Verschliefsen der letztern an der Stelle der Trennung. Sie ist angezeigt: wenn die Ge- bärmutter vorgefallen und zugleich in einem so bedeu- tenden Grade verletzt oder durch Brand, Ulzeration, Verdickung u. s. w. entartet ist, daſs ihre Zurückbrin- gung in die Bauchhöhle nicht geschehen kann, das Thier aber, nach dem Wunsche des Eigenthümers, um jeden Preis erhalten und von dem sehr lästigen, selbst gefähr- lichen Uebel befreiet werden soll.

Diese Umstände finden sich nur selten zusammen an einem Thiere vor und die Operation wird deshalb, auch zum Theil wegen der damit verbundenen Gefahr, auch nur sehr selten unternommen. Doch ist sie an Schaafen, Schweinen und Hunden mit gutem Erfolge gemacht worden; selbst über ihre Ausführung an Stuten und Kühen sind einzelne glückliche Fälle bekannt; aber jedenfalls ist dieselbe an diesen Thieren wegen der Gröſse des Uterus schwieriger und gefährlicher als bei jenen.

§. 152.

Der Operations-Apparat ist höchst einfach, indem

man bei Pferden und Rindern nur eine starke, etwa 2 3

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