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XXXVYVI D« Oper A? o n de n 2 u en g en Vorhaut.
§. 142.
Verengerungen der Vorhaut(bei Pferden des Schlauchs) kommen bei den verschiedenen männlichen Haussäugethie- ren vor. Der Zustand ist dabei bald eine einfache Veren- gerung der Vorhautsöffnung durch zu starke Contrakti- lität, bald verbunden mit Verdickung der Haut und des Zellgewebes, oder mit Narben und Callositäten; in ein- zelnen Fällen sind in dem Kanale der Vorhaut ringför- mige Falten, warzenartige Auswüchse oder Geschwüre vorhanden, und häufig findet man Anhäufungen von ver- dicktem Hauttalg, oder von vertrocknetem Eiter und von ausgeschwitztem Faserstoff dabei. Die letztern Ma- terien sind oft schichtweis übereinander liegend und in solcher Menge vorhanden, daſs sie den ganzen untern Theil des Raums in der Vorhaut ausfüllen.
Durch diese krankhafte Beschaffenheit ist das Her- vorstrecken des Gliedes(das Ausschachten), das re- gelmäſsige und vollständige Uriniren und die Ausübung der Begattung bald mehr bald weniger gehindert; es treten wiederholt Haruverhaltungen ein; der in den Vor- hautkanal infiltrirte Harn erzeugt chronische Entzündung, Anätzung, Ulzeration, selbst Zerstörung des Penis(bei Rindvieh bis zur S förmigen Krümmung), und zuweilen
Verlust des Thieres.
Die Erkeunung der Verengerung und ihrer bezeich- neten Complikationen ist aus dem nicht erfolgenden Her- vorstrecken des Gliedes beim Harnen(oder in der Nähe weiblicher Thiere), aus dem unregelmäfsigen, oft nur tropfenweis erfolgenden Ausfluſs des Urius, oft aus einer Auschwellung der Vorhaut, und aus der Untersuchung derselben mit der Hand, stets leicht zu erlangen.
Rohlwes ¹), Erdt*) und Hering) haben
¹) Allgem. Vieharzneibuch. 9te Aufl. Berl. 1820. S. 195. 2) Magaz. f. d. gesammte Thierheilk. Jahrg. VII. S. 32. ²³) Repertorium f. Thierheilk. Bd. VI. S. 8.
Beobachtungen über diesen krankhaften Zustand und über die dabei nöthige Hülfe mitgetheilt. §. 143.
Mit therapeutischen Mitteln gegen die Entzündung, die Verdickung, Verhärtung und Ulzeration kann man nur in der ersten Zeit einigermaafsen der Verengerung entgegen wirken; ist dieselbe einmal entstanden und haben sich die genannten organischen Veränderungen gebildet, so nutzt nur allein operative Hülfe. Diese ist aber, je nach der Art des Leidens, etwas verschieden, indem man entweder) nur die Vorhaut in ihrer Mit- tellinie der Länge nach so weit spaltet, wie eben die Verengung besteht, und dann jeden Wundrand für sich allein schnell zu vernarben sucht, durch Bleimittel u. dgl.; oder— 5b) indem man die ringförmigen oder klap- penförmigen u. a. Falten mehrfach bis an ihren Grund einschneidet oder— sie selbst bis an denselben rein wegschneidet; und—) indem man warzige Aus- wüchse ausschält. Auch in den Fällen νMb und c ist bei wirklicher Verengung der Vorhaut das Spalten dersel- ben an dem vordern Theile nöthig, theils um für die Durchschueidungen und Exstirpationen den nöthigen Raum zu gewinnen, theils auch um die nach denselben mit der Vernarbung gern sich bildenden neuen Schwie- len und Strikturen zu vermeiden.
Zu diesen Operationen gebraucht man ein gerades, ein geballtes Bistouri, Scheere, Pinzette, Hohlsonde, Heftnadel, Unterbindungsfäden, Brenneisen, Wasser und Schwamm.— Man legt die Thiere am besten auf den Rücken. Das Verfahren selbst ist speziell nicht näher vorzuschreiben. Neben der eigentlichen Ope- ration hat man stets die Entfernung der angesammelten krankhaften Produkte und die Reinigung des Schlauchs, zuweilen auch die Amputation des Gliedes zu bewir- ken. Die Blutstillung geschieht mit den gewöhnlichen Mitteln und die Nachbehandlung nach allgemeinen Re- geln der Chirurgie.
XXXVII. Die kunstliche Erweiterung und Eroffnung des Gebärmuttermundes.
§. 144.
Es ist bei Kühen ziemlich oft und bei Stuten in einzelnen Fällen eine Verschlieſsung des Muttermundes gefunden worden. Diese Verschlieſsung besteht entwe- der nur in einem Zusammenkleben der Ränder durch ausgeschwitzten Faserstoff, oder in einer wirklichen Verwachsung, oder in schwieliger, selbst knorpelarti- ger Umänderung dieser Ränder; und zuweilen hat man auch callöse oder schwammige Auswüchse über den Muttermund verbreitet gefunden.
Durch diese Entartungen wird die Befruchtung, und bei tragenden Thieren das Gebären verhindert und da- durch im ersten Falle der Werth der Thiere sehr ver- mindert, im letztern Falle aber mittelbar selbst Lebens- gefahr erzeugt. Diese Uebelstände können nur durch operative Hülfe beseitiget werden.
§. 145.
Wenn bei nicht tragenden Kühen oder Stuten, wel-
che in jeder Hinsicht als gesund erscheinen, keine Be-
fruchtung erfolgt, obgleich dieselben zur rechten Zeit mehrmals der Begattung unterworfeu waren, so besteht der Verdacht eines materiellen Hindernisses in den Ge- schlechtsorganen. Bei ihrer Untersuchung findet man fast immer nur das Zusammenkleben der Ränder des Muttermundes oder einfache Verwachsung derselben, als Folgen einer, bei dem letzten Gebären entstandenen Verletzung oder Entzündung.— Die Hälfe besteht hier, nach den Beobachtungen der Thierärzte Pohlen und Reinstadler und den Mittheilungen des Dr. Böhm* darin: daſs man die vorher mit Fett u. dgl. bestrichene Hand mit vorgestrecktem Zeigefinger in die Scheide bis an den Muttermund führt, mit der Fingerspitze gelind drückend und bohrend in diesen einzudringen sucht und so den Kanal bis in die Gebärmutter öffunet. Dafs man in die
letztere
*) UVeber eine durch mehrfache Versuche bewährte Methode: un- fruchtbaren Kühen zur Fruchtbarkeit zu verhelfen. Insbruck, 1844.


