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des Kiefers und sticht dann etwa einen Zoll über dem- selben eine Lanzette oder ein Bistouri mit feiner Spitze gegen 4— 6 Linien tief in sie ein.— Nach aufgeho- benem Druck stillt die Blatung sich bald von selbst.
5) Die Unterzungen-Vene oder Froschader wird am häufigsten zum Aderlassen benutzt. Das Schwein muſs hierzu auf eine Seite gelegt und von Ge- hülfen gehalten werden; ein Gehülfe hält ihm das Maul mittelst eines cylindrischen Holzes offen. Der Opera- teur ergreift die Zunge des Thieres entweder mit der bloſsen oder mit einem Handschuh bekleideten Hand, oder auch mit einer Kornzange, und zieht sie aus dem Maule in der Richtung nach dem Nasenrücken so her- vor, dafs ihre untere Fläche frei zu Tage liegt, worauf man in die daselbst in der Mittellinie verlaufende Vene unmittelbar vor dem Zungenbändchen mit einem Bistouri oder mit einer Lanzette einen Queerschnitt, etwa 2— 3
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Linien tief und 6 Linien lang macht.— Die mäſsige Blu-
tung stillt sich immer bald von selbst. Ein tieferes Ein- dringen des Instruments führt gewöhnlich auch eine Ver- letzung der Unterzungen-Arterien herbei und die Blu- tung ist dann stärker und länger dauernd. Sollte sie in einem Fall zu bedeutend werden„ so kann man sie zu- erst mit Essig, oder mit Alaun, mit Eisenvitriol u. dgl. Mitteln, die man in die Wunde bringt,— oder durch
das Berühren derselben mit dem glühenden Eisen,—
und selbst mittelst des gänzlichen Durchschneidens der Arterien, zu stillen suchen. tsll o) Die Hinterschenkel-Hautvene. Man legt
das Thier auf eine Seite, läfst es von Gehülfen am
Kopfe, Rumpfe und den Füfsen in der Art festhalten, dafs der unten liegende Hinterfufs allein von einem be- sondern Gehülfen nach rückwärts hinausgestreckt gehal- ten werde. Um diesen Fuls, und zwar etwas über der Mitte zwischen dem Knie- und Sprunggelenk, legt man ein Band fest an, und wenn die Vene hiernach etwas angeschwollen ist, öffnet man sie durch einen Einstich mit der Lanzette; wenn sie aber nicht deutlich hervor- tritt, macht man an der Stelle, wo sie ihre Lage hat (d. i. fast in der Mitte der Breite des Unterschenkels), in etwas schräger Richtung einen 1 bis 1 ¼ Zoll langen Einschnitt durch die Haut, worauf die Ader sichtbar wird und durch einen Einstich leicht geöffnet werden kann.— Nach genügender Blutentleerung entfernt man die Schnur, worauf gewöhnlich die Blutung sogleich aufhört; sollte sie fortdauern, so kann man durch die Wundränder ein einfaches Heft der Kuopfnath ziehen.
in ei 27.
An Hunden und Katzen eignet sich die Dros- selvene, und einigermaſsen auch die innere Hautvene am Hinterschenkel zum Aderlassen. Die erstere ist fast immer
deutlich zu sehen und durch einen einfachen Einstich
mit der Lanzette auf bekannte Weise zu öffnen, wenn man n vorher an der Halsrinne auf einem Fleck von circa 1. ☛ 2 Zoll laug und ¼½ Zoll breit die Haare abgescho- ren und über der Brust die Vene gut mit den Fingern comprimirt hat; bei recht fetten Hunden bleibt sie jedoch trotz dieser Hülfsmittel uusichtbar, und man ist dann
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genöthiget, sie durch einen an der Mitte der Halsrinne (am besten durch eine vorher gebildete Queerfalte) ge- machten, etwa 1 Zoll langen Hautschnitt bloſszulegen, worauf sie mittelst der Lanzette geöffnet wird.— Die Blutstillung erfolgt in jenem ersten Falle von selbst, wenn man die Vene nicht mehr unterdrückt; im letztern Falle kann die Hautwunde mittelst der umwundenen Nath, wie bei dem Aderlassen an Pferden, oder mittelst der Kuopfnath vereiniget werden.
Die Eröffnung der innern Schenkelhautvene findet bei diesen Thieren nur im Nothfalle statt, wenn die Drosselvenen nicht eine hinreichende Menge Blutes ge- ben. Man comprimirt die Ader mittelst eines um den Schenkel gelegten Bandes und sticht sie dann mit der Lanzette an. Wo lange Haare den Zugang hindern, müssen sie vorher beseitiget werden.
§. 28.
An Vögeln sind die Drosselvenen und die Armvenen zum Aderlassen geeignet. Erstere liegen an den Seiten desHalses, dem obern Rande etwas näher als bei den Säu- gethieren und sind sehr verschiebbar, aber durch die Haut bläulich durchscheinend. Um sie zu öffnen, rupft man an der betreffenden Stelle einige Federn aus, drückt dann mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand
die Adern beider Seiten zusammen, während ein Ge-
hülfe den Kopf des Thieres festhält und zugleich etwas vorwärts zieht. Wenn hierbei die Adern angeschwollen sind, sticht man die Lanzette etwa 1— 2 Linien tief schnell ein.— Ein Verschlieſsen der Wunde ist in der Regel nicht erforderlich, im Nothfall aber durch Zusam- menheften der Haut leicht zu bewirken.
Die Armvenen sind an der inneren Seite des ersten Flügelknochens schon von selbst deutlich sichtbar, und sie treten ziemlich stark hervor, wenn man in der Nähe der Brust um den Flügel ein Band bindet; doch ist es mehrentheils auch nöthig, daselbst einige Federn aus- zurupfen. Ist dies vorbereitet, so lälst man zur Opera- tion das Thier auf den Rücken legen und durch einen Gehülfen mit einer Hand den Körper, mit der andern die Füfse festhalten, worauf der Operateur mit seiner linken Hand den Flügel vollständig ausspreizt und mit der rechten das Einstechen der Lanzette etwa 2 Linien tief bewirkt.— Von der Blutstillung gilt das bei Eröff- nung der Halsvene Gesagte auch hier.
§. 29.
Bei und nach dem Aderlassen können verschiedene ungünstige Ereignisse eintreten, von denen fol- gende die wichtigsten sind:
1) Das Aderlaſs-Instrument ist nicht in die Vene gedrungen. Die Ursache hiervon kann sein:
a) Der Einstich ist an einer unrichtigen Stelle neben der Vene geschehen, die letztere also verfehlt;— 5) derselbe geschah zu oberflächlich, die Klinge des Instruments war zu kurz gehalten oder zu klein, oder mit zu wenig Kraft angewendet worden;—) die Ader rollte und verschob sich unter dem eindringenden Instru- ment, weil dieses zu stumpf, oder in zu schiefer Rich-
tung aufgesetzt, oder zu langsam eingestochen, oder der 12
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