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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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die Haut allmählig immer mehr, dieselbe schwitzt eine seröse Flüssigkeit an der aufsern Oberfläche aus, häufig fallen auch die Haare daselbst aus, es entsteht endlich eine kleine Oeffuung, aus welcher Eiter zum Vorschein und diese Oeffnung vergröſsert sich im weitern Auf diese Art öffnen

kommt, Verlauf bald mehr bald weniger.

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sich viele Abscesse von selbst; doch ist diese natürliche

Oeffnung nicht immer für den Abfluſs des Eiters hiurei- chend, und sie muſs dann künstlich nach der abhängig-

sten Stelle hin erweitert werden. Nicht in allen Fäl-

len erfolgt jedoch die Eröffnung von selbst, i in andern erfolgt sie zu spät, und es entstehen durch das Zurück-

bleiben des Eiters Versenkungen desselben, oder der

Abscefs bricht nach innen in Höhlen und Gelenke, oder

der Eiter entartet, und schadet durch chemische Um- wandlung oder durch Druck den nahe liegenden Orga- nen, oder endlich: er wird resorbirt und erzeugt se- cundäre Abscesse in den Lungen u. s. w. oder auch Dyscrasien, namentlich beim Pferde Rotz und Wurm.

Um diese übeln Zufälle zu vermeiden, ist eine künstliche Eröffnung der Abscesse in ſölgenden Fällen ohne Verzug erforderlich:

94) wo der Eiterheerd sehr tierg oder unter tesien,

besonders sehnigen Theilen Hegtns

4en wo er in der Nähe von edeln 0 eunen, von Rüos

chen und von Höhlen liegt; b. ni doie

3) wo er sich im sehr lockern Zellgewebe heſiu-

det; und

493 wo längere Zeit hindurch heftige Schmerzen in dem leidenden Theile, oder Fieber, bestehen, die

nachgelassen

a Dutaündunbsaaulälles aber bereits

haben.

Dagegen darf man mit der künsthichen. Hräfnung qer

Abscesse nicht eilen, wenn dieselben in Lymphdrüsen und als Folge eines aleemeihen krankhaften Zustandes entstehen. 11 ni ellos Die Künstliche Eröffnung der Abscesse kaun ent- weder vermittelst spitziger oder schneidender Instru- mente, oder vermittelst des glühenden Eisens, oder ver- mittelst eines Aetzmittels geschehen. In der Thierheil- kunde sind nur die beiden erstern Methoden gebräuchlich. Das betreffende Thier darf bei dem Eröffnen eines Abscesses gewöhnlich stehen; doch giebt es auch Fälle, wo mann dasselbe niederlegen muſs, wie namentlich bei

sehr tief liegenden Abscessen an der untern Seite der

Brust und des Bauches u. s. w. In der Regel wird das Thier vorher mit einer Bremse bekleidet und von Gehülfen festgehalten. 18d. ol Als Instrumente henutat man bei oberfächlichen und mit dünner Haut bekleideten Abscessen, und somit auch mehrentheils bei den kleinern Hausthieren, die Lancette, dagegen bei tiefliegenden und mit dicker Haut beklei- deten Abscessen ein spitzes Bistouri, und zuweilen auch ein geballtes Bistouri; und wo man Gegenöffnungen durch dickere Schichten der Weichgebilde, besonders in der Nähe gröſserer Gefälse und Nerven machen muſs, besonders aber bei tiefliegenden Fistelgängen, wird auch der Troikar und die englische Haarseilnadel benutzt. Als Operationsstelle wählt man immer den Punkt des Abscesses, an welchem die Fluctuation am deut-

lichsten und die Haut am meisten dünn und weich zu fuͤhlen ist. 491 Die Lancette ae das spitze Bistouri wendet man zur künstlichen Eröffnung eines Abscesses auf folgende Weise an: man nimmt die Klinge des Iustruments zwi- schen den Daumen und Zeigefinger, und läfst die Spitze über diese Finger so weit hervorstehen, als ungefähr die Dicke der zu durchstechenden Wand beträgt, setzt das Instrument in einem rechten Winkel auf die Haut an der Operationsstelle und sticht es schnell so tief ein, bis Eiter neben der Klinge zum Vorschein kommt. Hier- auf zieht man das lustrument langsam zurück, und er- weitert dabei die Stichöffnung nach unten oder nach oben so viel, daſs der Eiter einen leichten Abfluſs erhält. Diese Erweiterung der Einstichöffnung geschieht in der Regel zwar nach der am meisten abhängigen Stelle des leidenden Theiles; doch muſs man hierbei die etwa in der Nähe liegenden Gefäſse, Nerven und andere wich- tige Theilé berücksichtigen, und deshalb, wo eine Ver- letzung solcher Gebilde bei der Erweiterung nach ab- wärts zu fürchten ist, sie lieber nach oben zu bewir- ken. In denjenigen Falleu, wo man von auſsen her die Ausbreitung des Abscesses in der Tiefe nicht genügend abschätzen kann, ist es zweckmäſsig, zuerst nur einen einfachen Einstich in der Gröſse zu machen, dafs man eine dicke Sonde oder einen Finger in die Absceſshöhle hineinführen und hiermit die Grenzen derselben, nament- lich aber ihre niedrigste Stelle erforschen kann. Nach diesem Befunde kann dann die Erweiterung der gemach- ten Oeffnung leicht in der zweckmäſsigsten Richtung stattfinden. Die nachträgliche Erweiterung einer zu kleinen Abscefsöffnung geschieht eutweder auf die Weise, dafs man ein gerades Bistouri durch die vorhandene Oeff-

nung bis in die Höhle einführt, dann die Schneide des

Messers gegen den obern oder untern Winkel der Oeff- nung legt, und das Instrument mit eiunem mäſsigen Druck gegen diese Theile zurückzieht, und dies wiederholt, bis die Oeffnung hinreichend groſs ist; oder man setat eine Hohlsonde in die Oeffnung, die Rinde der Sonde gegen die zu durchschneidende Wand gekehrt, führt dann ein grades einfaches oder eiun Knopf bistouri in der Rinne der Sonde bis in die Höhle, und schneidet dann mit einem kräftigen Druck in die Absceſswand ein, soweit als die bestimmte Gröſse es verlangt.

Die Gröſse der Absceſsöffnung richtet sich zum Theil nach der Gröſse der Eiterhöhle, zum Theil auch nach der Beschaffenheit der in derselben liegenden Gebilde. Man hat hierbei nicht allein den freien Abfluſs des Ei- ters, sondern auch die Zeit der innern Ausheilung des Eitergeschwürs zu berücksichtigen. Kleine Abscesse, d. i. im Durchmesser von etwa 2 Zoll, entleeren sich durch eine Oeffnung von etwa ¾ Zoll Länge vollkom- men, und sie verwachsen durch Granulation u. s. w. ge- wöhnlich, ehe diese Oeffnung sich wieder schliefst; wo aber die Höhle bedeutend gröſser ist, und deshalb zu ihrer Verwachsung eine längere Zeit erfordert, wie auch da, wo tiefere Fistelgänge, oder viel zerstörtes Zell- gewebe, oder cariöse Knochen sich im Abscesse vor- finden, und wo dieser Umstände wegen die Heilung des- als die Heilung einer kleinen

Wund-

selben langsamer erfolgt,