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zZweite Ahbtheilung.
Von den thierarztlichen Operationen im Besondern.
Brstes Mapitel.
„Vom venjenigen Operationen, welche an verschiedenen Theilen des Thierkörpers unternommen werden können.
I Die Akupunctur oder das Nadelste chen(Acupunctura).
§. 1. Man versteht unter diesem Namen eine sehr einfache Operation, bei welcher eine Anzahl Nadeln in einer, nach den Umstäuden verschiedenen, Tiefe durch die Haut in die Weichgebilde eingestochen werden, um hierdurch eine Erregung und Umstimmung in diesen Theilen her- beizuführen. Sie findet ihre Anwendung hauptsächlich gegen Paralysen, gegen Erschlaffungen und gegen rheu- matische Affectionen.— Diese Operation ist von den Chinesen vor langer Zeit erfunden und bei kranken Menschen vielfaltig benutzt. Nach Europa ist sie wahr- scheiulich durch den holländischen Arzt Ten Rhyne im 17ten Jahrhundert gebracht und erst in der neueren
Zeit durch die Versuche von Girard d. S., Bouley
a., Chauel, prevost, Hayne und dem Verfasser in die Thierheilkunde übergegangen 4).
Die Nadeln zu diesem Zwecke können von Silber,
von Stahl oder Messing gearbeitet sein; stählerne Na- deln müssen aber durch Ausglühen ihre Sprödigkeit ver- loren haben, damit sie nicht in den Theilen, an denen man sie applicirt, abbrechen. Ihre Form ist ganz ein- fach wie die der Steck- und Nähnadeln, sie müssen aber i in jedem Fall eine recht scharfe Spitze und eine
glatte Oberfläche haben; am obern Ende sind sie entwe-
der mit einem Knopf versehen, wie die gewöhnlichen
Stecknadeln, nen beweglichen Ringe zum Durchführen eines Verbin- dungsdrathes.
oder statt desselben mit einem klei- Letzterer ist zuweilen benutzt worden, um einen electrischen Strom von einer Elektrisirmaschine oder von einer galvanischen Säule auf die sämmtlichen angewendeten Nadeln gleichzeitig einwirken zu lassen.
Die Länge dieser Nadeln ist für kleinere Thiere und
*) Receuil de médec. vétérin. 1825, Mars,— 1826, p. 357; Journ. pratiq. de méd. vétérin. 1826. p. 93. 8
für zarte Theile 1“, für groſse Thiere und dickflei- schige Theile aber 2— 3.
Die Abkupunetur kann im Umfange des ganzen Kör- pers, wo irgend die bezeichneten Affectionen ihren Sitz haben, statt finden. Vor der Operation muſs das be- treffende Thier gut gebremst und so gehalten und befe- stiget werden, daſs es wahrend derselben nicht zu hef- tige Bewegungen machen könne, weil, abgesehen von der Sicherheit des Operateurs gegen Verletzungen, die eingestochenen Nadeln durch die Bewegungen der Mus- keln immer wieder hervorgezogen und zum Theil auch verbogen werden.— Bei der Operation verfährt mau einfach so: man nimmt zwischen den Daumen und deu Mittelfinger der rechten Hand eine Nadel, setzt den Zeigeſinger auf das obere Ende derselben, und sticht sie mit einem raschen Druck senkrecht durch die Haut in die Muskeln so tief ein, wie es der Sitz des Uebels verlangt, d. i. fast immer bis in die Nähe der Knochen. Eben so verfährt man mit den folgenden Nadeln, von
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denen man eine von der andern ¾— ¾“¹ eutfernt, applicirt.
Die Anzahl der angewendeten Nadeln ist nach der
Gröfse der kranken Fläche und nach dem Grade des Leidens sehr verschieden, 1 bis 50 Stück. Die Nadelu bleiben in dem Körper eine halbe Stunde bis 3— 4 Stunden sitzen, werden daun entfernt, und
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entweder sogleich oder nach einer Zwischenzeit von einigen Stunden neben die ersten Einstichpunkte von Neuem eingestochen u. s. w. Die Wiederholung kann auf diese Weise täglich ein- oder mehrmals, und so fortgesetzt durch mehrere Tage geschehen.
Eline Nachbehandlung der kleinen Stichwunden ist nicht erforderlich, doch macht man oft von erregenden Mitteln Waschungen, oder Einreibungen an diesen Stel- len, um die Reizung zu vermehren,— wie dies in deu meisten Fällen die Art der Krankheit erfordert.
II. Das Scarifiziren, Einsechneiden oder Ritsen(Scariſicatio).
G. 2. a) Scarificationen überhaupt. Als Scarifikationen bezeichnet man Einstiche oder Einschnitte in die Weichgebilde des thierischen Orga- nismus für folgende Zwecke: 1) Um extravasirtes Blut oder Serum, ausgeschwitz- ten Faserstoff, Brand- und andere Jauche, oder Luft zu entleeren; 2) um die Spannung in entzündeten und geschwolle- nen, verdickten Gebilden zu mindern;
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3) um die Einwirkung von Medicamenten in die Tiefe der Gebilde zu erleichtern; und 4) um au eiternden oder veralteten Wundrändern eine neue Wundentzündung zu erregen, und hierdurch die Vernarbung derselben zu begünstigen.
Zur Erreichung dieser verschiedenen Zwecke benutzt man zum Scarificiren: die Lancette, gerade oder geballte Bistouris, oder die Aderlaſsfliete, und aufserdem ist in manchen Fällen die Hohlsonde, und am Hufe ein Wirk- oder Rinnmesser hierzu erforderlich.


