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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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B. Die Zwangs- und Befestigungsmittel bei dem Rindvieh.

§. 28.

Bei dem Rindvieh mufs man, um bei der Ausfäh- rung chirurgischer Operationen die nöthige Sicherheit zu haben, hauptsächlich die Hörner und die Hinterfüſse unschädlich machen. Mit den Letztern schlägt es nicht nur, wie das Pferd, nach hinten, sondern auch weit nach vorwärts unter dem Leibe hin und zugleich halb- kreisförmig nach aufsen, so daſs man an den Seiten des Leibes niemals so gesichert steht wie bei dem Pferde.

In Betreff der Stellung und Haltung des Kopfes

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nach oben, oder entgegengesetzt nach unten, gelten die

bei den Pferden in dieser Hinsicht angegebenen Regeln.

Um ein Rind fest zu halten, verfährt man am be- sten so: Man macht an dem Ende eines festen Strickes eine Schleife und legt dieselbe über die Wurzel beider Hörner; das andere Ende des Strickes führt man über die Mittellinie der Stirn bis zur Mitte des Nasenrückens, woselbst man den Strick mit der linken Hand für einen Augenblick in seiner Lage erhält, während man die Fort- setzung davon mit der rechten Hand über die rechte Backe hinunter, unter dem Unterkiefer fort und über die linke Backe hinauf zur Nase zurückführt, ihn hier unter den daselbst befindlichen Theil durchführt, ihn dann nach links über diesen Theil zurückbiegt, recht straff anzieht, und so das Thier wie an einer Halfter festhält. Auch kann man sehr unruhigen eine Trense so auflegen, wie einem Pferde.

Die Bremsen sind an die Ohren anzulegen; auch die polnische Bremse ist zu benutzen.

Selbst das Führen eines recht muthigen oder bösen Rindes zu dem Platz, wo die Operation ausgeführt wer- den soll, ist zuweilen sehr schwierig und mit Gefahr verbunden. Um letztere zu mindern und das Thier füg- samer zu machen, bindet man schon im Stalle an jedes Horn und an die Schienbeine der Vorderfüſse Stricke von 20 Fuſs Länge, und übergiebt jeden Strick der Hörner zweien, jeden der Füſse aber einem Gehülfen. Erstere Gehülfen müssen stets, wie auch das Thier sich wenden mag, ein jeder auf seiner Seite zu bleiben sich bemühen, während die letzteren Gehülfen stets hinter dem Thiere bleiben müssen. Wenn nun dasselbe beim Führen widersetzlich wird und nach einer Seite fortlau- fen will, wird es durch die Gehülfen an der entgegen-

durch welche er es einfach hindurch steckt; ein zweiter Gehülfe

verfährt mit dem andern Ende eben so an der linken Seite des Thieres; während die Enden zuerst gelind angezogen werden, lei- tet ein dritter Gehülfe die auf solche Art um die Füsse entstan- denen Schleifen an die Hinterfesseln, in diesem Moment müssen sogleich die Stricke kräftig angezogen werden, bis die Hinterbeine vorwärts unter dem Leibe stehen und das Thier sich mit dem Hin- tertheil niedersenkt, worauf es durch die Gehülfen auch am Vor- dertheil niedergezogen werden kann. Die Strickenden werden nun an der Halsschleife festgebunden, und nach Art der Umstände kann man die Füsse fester zusammenbinden, einen Fuss ausbinden u. s. w. Dieses Verfahren ist auch bei solchen Pferden zu be- nutzen, welche sich nicht an die Füsse kommen lassen und bei denen das Anlegen der Fesselriemen im Stehen nicht möglich ist. Die Beschreibung und Abbildung von Rochard's Methode, Pferde mit nur einem Strick niederzulegen, s. im Recueil de- dec. vétérin. 1831, p. 1 14.

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gesetzten Seite hieran verhindert; springt es vorwärts, so ziehen die Gehülfen hinter ihm seine Vorderfüſse unter den Leib; es fällt auf die Nase, erschrickt, und nach etwa erfolgter Wiederholung des Fallens fügt es sich meist geduldig der weitern Bebandlung.

Bei Operationen, die man im Stehen ausübt, ſist es

in der Regel zweckmäſsig, den Kopf des Thieres an

eine Wand, oder an einen gehörig starken Baum, oder an einen in der Erde feststehenden Pfahl zu binden. Bei Operationen am Vordertheil läſst man den Kopf unge- fähr bis zur Höhe der Mitte der Vorderschenkel herun- terbinden, wogegen er bei Operationen am Hintertheil

bis zur Höhe des Widerrüstes aufgehoben und in dieser

Stellung angebunden werden muſs.

Das Aufheben eines Vorderfufses und das Anlegen eines Kniefessels an denselben ist wie bei Pferden zu benutzen. Das Aufheben eines Hinterfufses geschieht am zweckmäſsigsten so: man stellt zuerst das Thier mit der Seite, an welcher sich der gesunde Hinterfufs befindet, gegen eine Wand, um das Ausweichen zu ver- hindern; dann führt man einen etwa 12 16 Fuſs lan- gen und gegen 4 5 dicken Baum mit glatter Ober- fläche dem Thiere in der Richtung von vorn uach hin- ten, oder auch umgekehrt, zwischen den Hinterbeinen hindurch, und zwar so, daſs das Werkzeug in schrä- ger Richtung gegen den aufzuhebenden Fufs au die in- nere Fläche des Unterschenkels gelegt wird, und mit dem entgegengesetzten Ende die Erde berührt. Indem man nun das andere hoch gehaltene Ende des Baums in

die Höhe und nach aufsen bewegt, hebt man den Fuſs

wie mit einem einarmigen Hebel in die Höhe, und hält ihn auf diese Weise für die Zeit der Operation fest. Auf eine zweite Weise bewirkt man das Aufheben und Festhalten eines Hinterfuſses mittelst eines gehörig lan- gen Sackes, dessen mittlerer Theil dem Rind an die hintere Seite des Schienbeins und um den Fessel des betreffenden Fuſses gelegt, die Enden an der vordern Seite desselben neben einander gekreuzt, dann in die Höhe geführt, und von zwei starken Männern über den Rücken des Thieres gezogen werden, bis der Fuſs in der erforderlichen Höhe steht. Diese letztere Methode ist nur zu gebrauchen, wenn man am Mittelfleische und in dessen Umgegend operiren, oder die Klauen des Thieres untersuchen, oder kleinere Operationen an den- selben ausführen will.

Um Operationen an einer Seite des Leibes mit eini- ger Sicherheit beim Rindvieh auszuführen, läſst man das- selbe mit der gesunden Seite an die Wand stellen, dann aber an die äufsere Seite in die Höhe der Hälfte des Vorarms und der Hälfte des Unterschenkels durch Gehülfen einen Baum mit glatter Oberfläche fest gegen- halten, oder man bindet ein Seil in derselben Richtung um das Thier, und mit beiden Enden in Ringe, welche in der Wand sitzen, fest.

Das Niederlegen eines Rindes kann auf dieselbe Weise und mit denselben Hülfsmitteln wie bei Pferden geschehen; doch ist zu bemerken: dals man beim Rind- vieh wegen Kürze des Fessels die Fesselriemen stets

über dem Fesselgelenk anlegen muſs. Eine audere leicht ausführbare und bei den in Rede stehenden Thieren sehr