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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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hält sich die Wirkung hiervon auf den Vordertheil des Körpers ähnlich; und eben so, obgleich in geringerem Grade, zeigt sie sich bei Biegungen des Kopfes und Halses nach den Seiten, so daſs z. B. bei einer Stel- lung dieser Theile nach links, der linke Vorderfuſs uud zum Theil auch der linke Hinterfuſs festgestellt, da-

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gegen die Fäfse der rechten Seite zum Aufheben und

Bewegen mehr frei gemacht werden. In Folge die- ser gegenseitigen Wirkungen der Körpertheile auf einander können also die Pferde diejenigen Füſse zum Schlagen nur uuvollständig gebrauchen, welche aun dem niedergedrückten Ende oder an der concav gebo- genen Seite des Körpers sich befinden. Mit Rück- sicht hierauf gilt es als eine allgemeine Regel: dafs man bei Operationen am Vordertheile des Körpers stehender Pferde den Kopf der Thiere möglichst herunterzieht und ihn in dieser Stellung während der Operation hält(wenn nicht etwa die Ausführung der Operationen selbst eine entgegengesetzte Stellung und Haltung verlangt, z. B. beim Aderlassen am Halse und bei der Tracheotomie, wo der Hals aufgerichtet sein muſs), und daſs man bei Verrichtungen am Hintertheil oder auch an der Mitte des Körpers den Kopf möglichst in die Höhe, selbst mit etwas zurückgeboge- nem Halse halten läſst. Kopfes wählt man einen kräftigen und verständigen Ge-

Zu diesem Festhalten des

hülſen, der des Thieres Mienen und Bewegungen auf- merksam beobachtet, und der, wenn dieselben drohend oder störend werden, durch lautes Anreden, durch ent- sprechendes Heben oder Senken des Kopfes u. s. W. der Unruhe des Thieres zeitig entgegenwirkt. 4) Aufheben eines Vorderfufses. Um das Pferd noch mehr zum ruhigen Stehen zu zwingen und sein Schlagen mit den Vorder- oder Hinterbeinen zu verhüten oder wenigstens unkräftiger zu machen, hebt man ihm einen Vorderfufs auf und hält denselben während der Operation in dieser Stellung fest. Dies geschieht in der Regel an der Seite, wo eben operirt werden soll, jedoch mufs man hiervon abweichen und den andern Fuſs wählen, wenn der Gehülfe, welcher den Fafs hält, dem Operateur an jener Seite hinderlich ist. Die Handgriffe bei B dem Aufheben der Beine müssen hier als bekannt angenom- men werden; ein vortheilhaſter Handgriff bei dem Fest- halten ist aber: dafs man mit einer Hand den Fessel des nach dem Leibe zu aufgehobenen Vorderfuſses umfalst, mit der anderen Hand aber die Zehe des Hufes ergreift, den Letztern im Kronengelenk möglichst weit zurück nach dem Fessel beug; und ihn so gebogen fortwährend festhält. 3 5) Kriefeaseb 1s Fe⸗ Festhalten eiges aufge hobeuen Vorderfufses aber wegen Bösartigkeit des Thie- res oder wegen Mangels an sichern Gehülfen nicht für die Dauer der Operation zu bewirken, so kaun man einen

sogenannten Kniefessel anlegen. Dies geschieht 80:

dafs man, nachdem das Vorderbein im Knie( eigentlich

Vorarms einen Riemen schnallt, oder den Fessel mittelst eines Stricks an den Vorarm mit einer leicht aufziehba- ren Schleife festbindet, hierdurch nicht nur das Hauen und das Auftreten mit diesem Fuſse verhindert, sondern auch das Thier zwingt, desto mehr anhaltend auf dem anderen Fufse zu stehen. Zugleich wird hiermit die Körperlast und das Bewegungsvermögen zwischen den beiden Seiten des Thieres ungleich vertheilt und deſs- halb seine Bewegung unsicher, so dafs, wenn es ja noch mit dem freien Vorderfuſse nach einem Gegenstande haut, es den Letztern gewöhnlich verfehlt.

Eine Modifikation dieses Hülfsmittels ist: daſs man eine, von einem Strick, von einer zusammengelegten

Halfter u. dgl. gebildete Schleife über das Knie des

im Fuſswurzelgelenk) so stark nach rückwärts gebo-

gen ist, dals der Huf nahe an dem Ellbogen liegt, um den Fessel und zugleich um das obere Eude des

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aufgehobenen Fufses, bis über die Hälfte des Vorarms hinaufschiebt und dann, um das Herunterfallen dieser Schleife zu verhindern, unter ihr einen runden glatten Stock von circa 1 Fufs Läuge und 1 Zoll Dicke, zwi- schen dem Vorarm und dem Schienbein hindurchsteckt. Auf eine noch andere Weise verfährt man, wenn der sogenannte Beigurt oder ein dicker Strick um den Fes- sel des vorher aufgehobenen und im Knie gebogenen Vorderbeins geschleift, das freie Ende dieses Stricks oder des Beigurtes über den Rücken nach der andern Seite des Thieres gelegt und hier von Gehülfen festge- halten wird. Diese Methode gewährt den Vortheil, daſs man, wenn es nöthig erscheint, in jedem Augenblick das Thier auf den betreffenden Fuſs kann treten lassen, ohne vorher das Band mit den Händen ablösen zu müs- sen; es sind jedoch 1 bis 2 Gehülfen mehr als bei den vorigen Methoden erforderlich. 6) Niederbinden des Kopfesbes Das 8 Seige eines stehenden Pferdes in die Höhe und das Hauen mit seinen Vorderbeinen von oben herunter, wird am sicher- sten durch das Niederbinden seines Kopfes gehindert. Dies geschieht entweder an die Krippe, an die Wand u. dgl., oder an einen Leibgurt an den eigenen Körper des Thieres. Für den ersteren Fall müssen 2 starke eiserne Ringe an der Krippe oder der Wand, in der Höhe der Brust des Thieres, gehörig befestiget vorhan- den sein. Man stellt Letzteres mit dem Kopfe gegen die Ringe gekehrt, und legt ihm eine starke Halfter auf, welche an jeder Seite des Nasenriemens wit einem Strick versehen ist; dann führt man das freie Eude dieser Stricke durch die Ringe, ziehet den Kopf allmälig bis zu denselben herunter, und bindet die Stricke nun entweder mit leicht aufziehbarer Schleife fest, oder man läſst sie von Gehülfen halten. Letzteres gewährt den Vortheil, dafs man, wenn bei zu groſser Unruhe des Thieres Ge- fahr eintreten sollte, dasselbe sogleich loslassen kann;

die Gehülfen dürfen jedoch nicht die Stricke um ihre

Hände wickeln, weil sie soust bei entstehender Wider- setzlichkeit der Pferde beschädiget werden könnten. Damit aber auch die Thiere sich den Kopf nicht ver- letzen, ist es nöthig, zwischen denselben und zwischen die Wand oder Krippe ein Polster zu legen, was aus einer mehrfach 2usauebgulegtah Pferdedecke u. d bestehen kann.

Auf die zweite Art geskbieht das a Niederbiuden des Kopfs so: man legt zuerst dem Pferde einen starken