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ten, mit der Brust sich etwas vorwärts zu beugen, und die Vorarme mäſsig fest neben die Operationsstelle auf das Thier zu legen. Man erhält auf diese Weise feste Anlehnungspunkte, und eine gleichmäſsige und sichere Führung der Hände, wenn das Thier während der Ope- ration unrubig ist und hin und her wankt.— 4) Ope- rationen an der innern Fläche der Vorder- oder Hin- terschenkel werden gewöhnlich am besten von der ge- genüberstehenden Seite her ausgeführt; doch lassen sich hierbei, je nach der Art, nach der speziellen Stelle, nach der leichten Ausführbarkeit der Operationen, und nach der Geschicklichkeit des Thierarztes im Gebrauch beider Hände u. s. w. viele Ausnahmen machen.— 5) Bei Operationen an dem untern Ende eines Vorder- fuſses, wenn derselbe nach vorn in die Höhe gehalten wird, bleibt man an der äufsern Seite neben oder in der gehörigen Entfernung vor demselben; ist er aber im Knie gebogen und nach rückwärts aufgehoben, so steht man zur Seite der Schulter oder hinter derselben.— 6) Operationen am untern Ende der Hinterfüfse, und zwar an der vordern Seite des Fessels, der Krone und des Hufes, werden am besten verrichtet„wenu der Fuſs nach vorwärts, d. i. unter dem Leibe, in die Hôhe ge- nommen ist, und wenn der Thierarzt sich seitlich neben den Leib des Thieres, vor den aufgehobenen Fuſs stellt. — 7) Bei V errichtungen an dem untern und hintern Theile der Hinterfälse, wo diese nach hinten hinaus aufgenommen sind, wie namentlich an der hintern Seite der Schienbeine, des Fesselgelenks, des Fessels, der Ballen, der Krone, des Strahls und der Sohle, steht der Operateur seitlich des aufgehobenen Fufses, neben dem zu operirenden Theile, oder auch(doch weniger sicher) hinter dem Fuſse. 1e AIeasnt B. Au liegenden grofsen Thieren mufs der Operateur in der Regel eine knieende Stellung nehmen, was entweder gleichmäſsig mit beiden Fülsen, oder in der Art geschiehet, daſs der eine Fuſs knieet(gewöhn-
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lich der rechte), während der andere im Knie einen
rechten Winkel bildet und mit der Sohle auf dem Boden ruhet. Durch diese letztere Stellung erhält der Opera-
teur mehr Festigkeit und er ist dabei ungleich mehr fä-
hig, sich schueller zu erheben, als bei dem Knieen auf beiden Fülsen; man benutzt sie defshalb vorzüglich bei sehr unruhigen, widerseizlichen Thieren, bei sehr Schmerzhaften Operationen, und wenn man sich auf die Gehülſen oder auf die angevvendeten Zwangsmittel nicht ganz sicher verlassen darf.— In einzelnen Fällen kann man auch stehend, mit stark vorwärts gebeugtem Ober- körper, an liegenden Thieren operiren; doch ist diese Stellung für einige Dauer sehr ermüdend. Zuweilen mufs man mit den Stellungen wechseln, wenn die Lage der Theile sich ändert, wenn man von einer Seite die
nöthigen Verrichtungen nicht bequem oder nicht voll-
ständig ausführen kann oder wenn man in einer Stel- lang zu sehr ermüdet.— Uebrigens wählt man an dem liegenden Thiere im Allgeemeinen einen Standpunkt vor, oder gegenüber dem, der Operation unterworfenen Theile des Thierkörpers, und so, daſs man besonders mit der rechten Hand bequem zu demselben gelangen kann. Bei Operationen am unteren Ende des Halses, auf den Schul-
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tern, an der vorderen und unteren Fläche der Brust,
auf den Rippen und am Bauche, wählt man seinen Platz,
um der Störung von den Füfsen des Thieres zu entge- hen, am besten hinter dem Halse oder hinter dem Rük- ken desselben.
Bei kleinen, auf einem Tische liegenden Thieren operirt man stehend und stellt sich dabei immer so, wie man am bequemsten zu den Operationstheilen gelangen kann, und wie man das beste Licht auf dieselben erhält.
Die Operation selbst wird dann nach den fär die- selbe im Allgemeinen bestehenden Regeln und nach dem für den speziellen Fall entworfenen Operationsplan aus- geführt, wobei der Operateur möglichst schnell, doch ohne Uebereilung, verfahren, und mit Geistesgegenwart das Ganze überwachen mufs. Namentlich mufs er auf die, der Operation unterworfenen Theile beständig die gröſste Aufmerksamkeit verwenden, den, an der Opera- tionsstelle liegenden gröſsern Gefäſsen und Nerven, wenn es geschehen kann, ausweichen und ihre Verle- tzung vermeiden, oder, wenn dies nicht möglich ist, so muſs er alle, bei den Schnitten zu Tage kommenden gröſseren Gefäfse vor deren Durchschneidung einfach, oder selbst an zwei Stellen, unterbinden; wo aber eine solche Verletzung unvorhergesehen stattgefunden hat und plötzlich eine starke Blutung entstanden ist, muſs er, ohne die geringste Unruhe zu zeigen, sogleich die Blutstillung nach den Regeln der Kunst bewirken. Um sowohl in dieser Hinsicht auf die Blutgefäſse, wie auch in Hinsicht auf die in der Tiefe veränderte Beschaffen- heit der Gewebe und Organe und deren Grenzen be- ständig eine möglichst freie Einsicht zu erhalten, muſs ein Gehälfe fortwährend das, auf der Wundfläche er- scheinende Blut mit einem feuchten(nicht nassen) Schwamm auftauchen(nicht abwischen), oder es mufs bei reichlicher Blutung aus vielen kleinen Gefäfsen recht kaltes Wasser aus einem Schwamme, in kurzen Zwi- schenzeiten wiederholt, über die Wunde gespült werden. Wenn nach durchschnittener Haut oder mehr in der
Tiefe das Gewebe und die Beschaffenheit der operirten
Theile anders gefunden wird, als man im voraus ver-
muthete, eben so, wenn plötzlich ein Vorfall von Ein-
geweiden entsteht, so mufs eine, den Umständen ent- sprechende Abänderung im bisherigen Operationsplane sogleich stattfinden. Treten bei kleinen Thieren Krämpfe oder Bewuſstlosigkeit während der Operation ein, so macht man in letzterer eine Pause, und sucht indessen
durch Besprützen oder Uebergieſsen des Thieres(na-
mentlich am Kopfe) mit kaltem Wasser, durch Vorhal- ten von Salmiakgeist, oder Aether, oder Hoffmannsgeist u. dgl. vor die Nase des Thieres, so wie durch Wa-
schen mit Branntwein, durch gelindes Reiben, und durch
Einleitung eines künstlichen Athmens, die Lebensthä-
tigkeit wieder zu erregen;— worauf dann, je nach den
Kräften des Thieres und nach den übrigen Verhältnissen,
die Vollendung der Operation sogleich, oder auch erst später erfolgt. In der Regel soll jede einmal angefan- gene Operation auch sogleich zu Ende gebracht wer-
den, und namentlich soll man sich von einer, durch
den Blutverlust entstandenen Schwäche hiervon nicht abhalten lassen.


