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Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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318 Von der Wuͤrde deß H. Eheſtandts Auch iſt deren Meinung gantz jrꝛig/ welche die andere Ehe/ da einer

oder eine nach abſterben ſeines vorigen Ehe⸗Gatts ſich anderwerts verhey⸗

ratet/ alſo daß auch das Concilium Neocæſarienſe verbotten, ein Prie⸗ ſter ſoll keiner andern Hochtzeie beywohnen/ vnd ſoll man daruͤber nicht den Segen ſprechen. Wo bleibt allhte abermahl dieſer Spruch: Die Ehe iſt ehrlich bey allen⸗ 4

Sagt nicht S. Paulus: Ein Weib iſt aebunden an das Geſetz ſo lang jhr Mann lebt/ ſo aber ihr Mann entſchlaͤfft/ iſt ſie frey zu verheyra⸗ ten/ welchem ſie will/ allein daß es in dem Herꝛn geſchehe/ 1. Corinth. 7. Ha⸗ ben nicht Abraham/ Ruth/ Abtgail anderweris geheyratet/ vnd wird nicht geſtrafft/ ſondern gelobt⸗

Was wollen wir aber von onſern geruͤhmbten Catholiſchen vnnd Heiligen(ſcilicet) Cleriſey im Bapſthumb ſagen. Die ſich deß chelichen Standts der heiligen Ehe vnnd vnbefleckten Eheberts vnterdem Schein der gelobten Keuſchheit enthalten/ vnd wider Gottes Wort enthalten muͤſ⸗ ſen/ vnangeſehen/ daß ſie an Leib vnd Geyſt niche keuſch ſein koͤnnen/ ſondern ſich zum groſſen theyl mit Concubinen vnnd Huren ſchlepffen/ vnd duͤrffen ſolche garſtige proſtibula vnnd Hurenweibel noch viel diſputirens von der Jungfrawſchafft machen? b

Wo bleibt nun allhie abermal dieſer Apoſtoliſche ſpruch: Die Ehe iſt ehrlich/ vnd ſoll ehrlich gehalten werden bey allen? Sagt nicht S. Paulus/ ein Biſchoff ſoll eines Weibs Mann ſein/ der ſeinem eygnen Hauß wol vor⸗ ſtehe/ der gehorſame Kinder habe/ mit aller Erbarkeit/ 1. Timoth. 3. Aber vnter dem Hauffen wollen die vermeynte Geyſtliche im Bapſtthumb nicht ſein/ ſondern viel lieber in der Luſtſeuche brennen/ Huren vnd Buben/ Hu⸗ ren⸗Kinder ziehlen/ vnnd auch Sodomitiſche Suͤnde treiben. Lieber was iſt ihrer beſter ſchein einet: b

Ey S. Paulus ſagt/ ſprechen ſie/ von den Leyen vnd gemeynen Chri⸗

ſten/ daß ſich eins dem andern entziehen moͤge auß beyder Verwilligung/

daß ſie zum faſten vnd beten muͤſſe haben/ 1. Cor. 7. Nun aber ſollen die Prie⸗ ſter jmmerzu beten vnd opffern/ darumb ſollen ſie ſich allzeit der Weiber ent⸗ halten vnd nicht ehelich leben Antwort? Merckeſtu aber nicht du vermeynter Clerick vnnd Meßpfaff daß Paulus bald hinzu ſetzt: Solches ſage ich auß vergunſt/ vnd nicht auß Gebott? Warumb macht ihr dann ein Gebott dar.

auß? Darnach iſt euch Papiſten vielmahls zu Gemuͤth gefuͤhret/ u 5. aulus