Druckschrift 
Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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30 Von Breutigam vnd Braut/ Joh.3. Auch ſpricht der Engel Gabriel zu Joſeph/ Matt.z. Fuͤrchte dich nicht Ma⸗ riam dein Gemahl zu dir zu nehmen/ die jhm aber nur vertrawet aber nicht heymgefuͤhret war/ wie ſie dann auch Luc. 2. Joſephs vertrawtes Weib ge⸗ nennet wird.

Darauß erſcheinet nun/ daß von Alters hero die Ehe nicht bald mit

dem Beylager oder Beyſchlaff angefangen vnd vollnzogen worden/ vnnd ſolches gewißlich vmb guter Ordnung vnnd Wolſtandts willen damit die Menſchen/ vnd beſonders die glaubtgen im Volck Gottes nicht zuſammen lieffen/ wie das dumme Viehe nach jhres Fleyſches luſt. Darnach dann/ daß die verlobte Perſonen/ ſo bißweilen vnbekant zuſammen kommen zuvor gute Kundtſchafft machen/ einander in ehren lieb gewinnen/ vnd dem Ehe⸗ Mann ſeine Braut deſto gewuͤnſchter zu Hauß komme darnach er ein gute Zeit verlangen getragen. So kompt dann dieſe erhebliche Vrſach auch hin⸗ zu/ damit die verlobte Perſonen zuvor/ ehe dan jhr Eheoffentlich fuͤr der Kirchen Gottes durch den Diener Gotees Conſirmiert/ beſtaͤttigt/ vnd die newen Ehe⸗Leute durch daß Gebet der Kirchen Gott befohlen/ vnnd von

der Cantzel offentlich der Gemeyne angekuͤndigt werden/ damit/ wann et⸗

wa hindernis eingeworffen/ oder erhebliche Vrſach fuͤrhanden ſeyen/ darum ſie nicht ehelich bey einander wohnen koͤnnen/ bey guter Zeit dieſelbe an Tag bracht/ vnd alſo groͤſſere Vngelegenheit vnd aͤrgernis verhuͤtet werde.

Alſo wirdt vnſer Herꝛ Chriſtus auch allhie der Breutigam genennet/ deſſen die Braut iſt/ der ſie allhie lieb gewinnet/ bringt ſie bey ſeinem himm⸗ liſchẽ Vatter zu gnaden/ die er aber hiernaͤchſt mit groſſem Frewdengeſchrey an jenem herꝛlichen Tag in ſein himmliſches Tabernacul vnd Frewdenſahl heymfuͤhren wird.

111. Zum dritten/ haben wir den holdſeligen vnd freundlichen Na⸗ men vnſers Herꝛn Chriſti Jeſu zu mercken/ daß er allhie vnd ſonſten in der Schrifft/ der Breutigam genennet wird/ Er hat ſonſten viel nahmen/ de⸗ rer etliche ſeine ewige Gottheit/ etliche ſeine heilige angenomene Menſchheit/ etliche aber ſeine beyde Naturen zumahl vnd dann etliche ſein Heylwertiges Prophetiſches/ Hohesprieſterlich vnd Koͤniglich Ampt außdruͤcken. Vnd deren ein Theyl ſeind Mayeſtetiſch/ eins theyls aber gar Leutſelig vnd anmuͤ⸗ rig auch deuten etliche auff den Standt ſeiner Ernidriaung/ ein theyl aber auff ſeine Erhoͤhung/ Mayeſtaͤt vnnd Herꝛlichkeit. Aber dieſer Name Breu⸗ tigam iſt vber die maſſen lieblich vnd troͤſtlich. 8

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