Druckschrift 
Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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Ein vnd dreyſſigſte Hochtzeit Predig. 307 woͤrter feine groſſe Sachen fuͤrzulegen/ als: Mit welcher Maß jhr meſſer/ wird man euch wider meſſen: Matth. 7. Artzt hilff dir ſelbſt/ kein Propher iſt angenehm in ſeinem Vatterland/ Luc. 4. Wann ein blinder einem blinden den Weg weiſet/ fallen ſie alle beyde in die Gruben/ Matth. 7. Was zum Munde eingehet/ das vervnreinigt den Menſchen nicht/ Matth. 15. vnd der⸗ gleichen mehr. Alſo ſollen wir auch in onſern zuſammenkuͤnfften feine hold⸗ ſelige/ liebliche Geſpraͤche brauchen. Ewer rede ſoll mie Saltz verſaltzen ſein/ Col. 3. vnd ſonſten kein faul Geſchwaͤtz auß vnſerm Munde gehen/ Eph. 4.

II. Direweil allhie gedacht wird deß Breutigams vnnd der Braut/ welche zwar ſeind ehelich verlobte vnnd vertrawte Perſonen/ aber deren Ehe noch nicht offentlich vor der Kirchen Gottes beſtaͤttigt vnnd bekraͤfftiat iſt/ darumb ſie noch nicht haͤußlich vnd ehelich bey einander wohnen/ als haben wir von dẽ Eheverloͤbniſſen oder ſponſalibns, oder/ wie wir es zu neñtn pfle⸗ gen/ vom Handſchlag/ oder Weinkauff etwas zu reden. Nun ſeind zweyer⸗ ley Weinkauff oder verloͤbniſſe. Eines gehet auffs kuͤnfftige/ wann Eltern jre Kinder vertrawen auffs kuͤnfftige/ wann nemblich die Perſonen/ ſo verlobt werden zum rechten Alter kommen/ oder da zwey einander die Ehe zuſagen/ ſo fern die Eltern jhren willen darzu geben/ oder ſie der mit Gifft vnd wider⸗ lage ſich mit einander vergleichen koͤnnen/ da dann die Zuſage geſchicht mit worten/ ſo gehen auff ein Kuͤnfftige Zeit. Welche Zuſage nicht die Perſonen kraͤfftiglich verbindet. Doch kan eine die andere wol vmb Volnziehung der Zuſage anmahnen/ aber zwingen kan ſie ſie nicht/ bevorab wann erhebliche Vrſachen koͤnnen eingewand werden/ warumb der eine Theyl/ ſein Gemuͤth geendert habe. Doch wo fern die Perſonen hernach ſich Fleyſchlich einander

erkant/ ſo iſt die Zuſage jetzo buͤndig worden. Darnach ſeind dann Sponſalia depreſenti, das iſt/ ſolche Eheverloͤb⸗ niſſe/ da ein Theyl den andern mit wiſſen vnd willen der Eltern die Ehe purè,

ohne alles beding vnd vorbehalt auff jetzo/ in Gegenwertigkeit zuſagt. Welche

Zuſage vnnd Verloͤbnis kraͤff ig vnd buͤndig iſt/ vnnd ſeind in dieſem Fall

die zwo Perſonen fuͤr Gott Ehe⸗ Leute/ vnd werden in der H. Schrifft Ehe

Leute genennet. Alſo da Jacob dem Laban ſiben Jahr vmb die Rahel/ die er ihm auff

ſolche Condition verſprochen/ gedienet/ ſagte er zu jhm: Gib mir nun mein

Weib/ dann die Zeit iſt hie/ daß ich beyliege/ Geneſ. 2 9. So har Gott der Herr befohlen/ wann einer einem ſein Braut beſchlaͤfft/ ſoll er deß Todts

ſterben/ darumb daß er ſeines naͤchſten Weib geſchaͤndet hat /Deut. 22.

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