Druckschrift 
Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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Neun vnd zwantzigſte Hochtzeit Predigt. 387 ſeinem Weſen/ nach ſeinem willen erkant/ ja auch die naturalem notitiam, oder natuͤrliche erkantnis Gottes gedaͤmpfft/ vnd ſich ergeben haben allen boͤ⸗ ſen Luͤſten/ aller Vnreinigkeit/ wie Paulus von jhnen zeuget/ Rom.. Dann wo die rechte heylſame erkantnis Gottes iſt/ da muß erfolgen/ daß man ſich auch ſeinem willen vntergibt/ vnd ſich demſelben gemaͤß verhelt.

Lehr.

.Ir haben zwar allhie die gemeyne Apoſtoliſche Vermahnung ur Heiligung/ welche darinn beſtehet/ daß ein Chriſten Menſch durch die Gnade onnd Regierung deß heiligen Geyſts abſagt allen weltlichen Luͤſten/ vnnd Boßheit/ vnnd ſich gantz vnnd gar dem willen Gottes ergibt nach demſelben zu leben/ in allen ſeinen ſtudiis, beginnen/ Worten vnnd Wercken ſeines Beruffs auff denſelben zu ſehen vnnd wie S. Paulus lehret/ Tit. z. Daß er verleugner alles vngoͤttliche We⸗ ſen/ Ind alle weltliche Boßheit vnd Gottſeliglich/ Gerecht/ vnd nuͤchtern lebe in dieſer Welt/ darzu vns dann vnſer Herꝛ Chriſtus Jeſus erloͤſet/ vnd der hetlige Geyſt jhm geheiligt. Das iſt das gantze heilige Leben oder der Ne⸗

we Gehorſamb der Chriſten. II. Aber zum andern iſt dieſe Vermahnung S. Pauli inſonderheit gerichtet zu der ſchoͤnen Thugend/ welche heyſt Keuſchheit/ die darinn be⸗ ſtehet/ daß ein Chriſtglaubiger durch den Geyſt/ das iſt durch Geyfſtliche

Bewegungen/ als da ſeind die Gottes furcht/ der Glaube an Chriſtum/

hertzlichs vnd inniges Gebet die boͤſen Luͤſte oder Luſtſeuche daͤmpffet/ ihnen kein beyfall gibt/ vnd meider alſo Hurerey vnd Vnreinigkeit/ hergegen aber

ſeinen Leib als ſein Gefaͤß beſitzt in Heiliaung vnd in Ehre/ das iſt/ daß er

fein keuſch vnnd zuͤchtig lebt in Worten/ Wercken/ ja auch mit heiligen Ge⸗ dancken mit Betrachtung Gottes worts ond willens embgehet.

Dieſe Thugend der Keuſchheit ſollen alle Menſchen lieb haben/ ſo wol Ehe ⸗Leute/ als die/ ſo noch im ledigen Standt ſeind. Dan wie wir allhie

hoͤren/ iſt diß der wille Gottes vnſer Heiligung/ daß ein jeglicher vnter

vns/ ſein Faß beſitze n Heiligung vnnd in Ehre. Vund zwar Ehe⸗ Leute haben im Eheſtandt ir Remedium vnd Artzney gegen die boͤſe Brunſt/ Luſtſeuche vnnd Hurerey deſſen ſie ſich gebrauchen/ vnnd die/ ſo im ledigen Standt ſeind/ vnnd nicht nach der Lehr S. Pauli ſich enthalten koͤnnen ſol⸗ Hurerey zu vermeiden freyen /z. Cor.7. Vnnd dann die Ehe ehrlich halten/ vnd jhr Ehebette vnbefleckt.

Rnu tiij Junge