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Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
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Haus geschickt. Als Reguly nach Sibirien kam, hatte man im dortigen Comptoir die Gefälligkeit, zwei Wogulen kommen zu lassen, von denen Reguly auch den Einen mehre Monate bei sich behielt. Herr von Demi- dow, der grade hier war, als unser Ungar abreiste, liess ihm'hospitalité la plus Slave anbieten, wenn er sie in Nishne-Tagilsk brauchen sollte, und zwar ohne ihn jemals gesehen zu haben. In allem Diesen finde ich auch keine Menschenfresserei und keinen Grund, die freundliche Zuvorkommen- heit mit Hohn zurückzuweisen. Es wäre vielleicht besser für Reguly gewesen, wenn man ihm hier weniger entgegen gekommen wäre, denn er hat leider in Sibirien seine Gesundheit eingebüsst und ist frühzeitig zu Grabe getragen, ohne die Resultate seiner Reise publicirt zu haben— aber das war nicht vorauszusehen. Auch waren wir wahrlich nicht darauf ausgegangen, ihn dem Vaterlande abspenstig zu machen. Der mit meinem trefflichen Collegen Frähn besprochene Plan bestand, wie gesagt, darin, dass Reguly zu den nächsten Wogulen gehen und von dort zurückkehren sollte. Aber nachdem er das kaiserliche Geld erhalten hatte, formten sich in ihm neue Aufgaben. Als er mir mitgetheilt hatte, dass er bis in den höchsten Norden wandern wollte, um das gesammte Wohngebiet dieses Volkes zu sehen, schrieb ich ihm einen sehr derben Brief in Bezug auf diese endlosen Streifereien und hoffte, dass der neue Ton ihn zum Anhalten bestimmen würde. Ich besitze noch seine etwas desperate und empfindliche Antwort, allein abhalten liess er sich doch nicht. Er fühlte sich nun als den reichen Mann, der viel thun müsse.

Aber ist so eine dumme Zeitungsnotiz einer so ausführlichen Bespre- chung werth? wird man fragen. Diese Notiz gewiss nicht. Auch habe ich damals in dem angeführten Artikel unsrer Zeitung nur kurz geantwortet: Es sey uns nicht unbekannt, dass an manchen Orten eine recht lebendige Abneigung gegen die Russen sich laut macht; aber dass man auch das Russische Geld nicht mag, sey uns neu, und diese Nachricht dürfte Man- chem hier recht willkommen seyn. Dass man aber selbst bei Gelegenheit von Reguly's Reise in die beliebte Melodie einstimme, sey besonders er- götzlich u. s. w.

Dass ich aber hier diese Sache noch einmal und ausführlicher be- spreche, geschieht nicht ohne Veranlassung, die doch auch zu meinen Lebenserfahrungen gehört, und nur vorübergehend auf S. 403 scherzend besprochen ist. Hier ist eine passende Gelegenheit, ein ernsteres Wort dar- über zu sagen. Es ist nämlich in den letzten Zeiten in vielen Russischen Zeitschriften Sitte geworden, recht herzlich auf die Deutschen zu schelten, (um nicht zu sagen zu schimpfen), die jener Zeitungsartikel noch als iden- tisch mit den Russen'behandelt. Mitunter sind diese Artikel ebenso herz- lich dumm. Daꝛ klagt z. B. Einer, dass ihn die Aufführung des„Messias von Händel“ schrecklich ennuyirt habe und er meint, so etwas Langweiliges könnten nur die Deutschen erfinden und aushalten. Wer kann nun dafür, dass der brave Mann in ein Oratorium geht und eine Polka-Musik oder dergl. erwartet? Andere Scheltende sind etwas weniger beschränkt. Aber

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