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Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
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entlang nach dem höchsten Norden begriffen, nachdem er fast ein Jahr vollkommen freien Aufenthalt und Unterhalt mit aller sonstigen Begünsti- gung auf den Besitzungen der Familie Wsewoloshskii am Ural gehabt hatte. Dass Reguly, der sich der werkthätigen, aber nicht prahlsüchtigen Unterstützung, die er hier bei Schweden, Russen, Polen und Deutschen ge- funden hatte, dankbar erinnerte, diesen Zeitungsartikel nicht veranlasst haben konnte, wusste ich wohl. Auch ihm musste er höchst unangenehm seyn.

Ich habe den Anfang von Reguly's Unternehmung in den Beiträgen zur Kenntniss des Russ. Reiches, Bd. IX, S. 220— 269 erzählt, und über die Fortsetzung derselben in einigen obengenannten Aufsätzen im Bulletin be- richtet, aber Manches absichtlich ausgelassen, was in seinem Vaterlande hätte verletzen können. Ich will hier noch einmal übersichtlich über ihn berichten, um zu zeigen, wie unpassend solche von Ultra-Patrioten stam- mende Prahlereien sind und wie sie nur schaden können.

Reguly, im Jahr 1819 im Westprimer Comitat geboren, machte im Jahr 1839 eine auf vier Monate berechnete Reise durch Deutschland. In dem Norden Deutschlands erwachte in ihm ein lebhaftes Interesse für die Geschichte der Vorzeit, das, wie es scheint, in seinen frühern Studien keine Nahrung gefunden hatte. Er ging nach Kopenhagen, wo man schon eifrig die Skandinavischen Alterthümer sammelte, und wo Reguly ganz von dem Studium der Vorzeit ergriffen wurde, womit aber auch der Magyaris- mus in ihm mächtig erwachte, Er ging nun über Gothenburg nach Stock- holm, wo er sich einige Monate aufhielt, nicht nur um das Skandinavische Alterthum zu studiren, sondern für das Studium der Finnischen Sprache sich vorzubereiten, zu welchem Zweck er nothwendig vorher die Schwe- dische lernen musste, denn alle Bücher, die man ihm über jene Sprache mittheilen konnte, waren Schwedische. So kam er nach Finnland, wo er 10 Monat in der entlegenen Wohnung eines Finnischen Bauern zubrachte. Nun völlig von Finnischen Interessen, als den Ur-Magyarischen, ergriffen, durchwanderte er Finnland bis nach Lappland hinauf, wo er die Lappische Sprache studirte, und bis in das Archangelsche Gouvernement. Er besuchte aber auch, der literärischen Hülfsmittel wegen, die Hauptstadt Helsingfors, wo zuerst der Magister Gottlund der literärischen Welt von diesem wis- senschaftlich Ergriffenen,— Besessenen, möchte ich sagen, erzählte. Re- guly liess sich nämlich immer von einer neuen Verzweigung seiner Auf- gabe, die maasslos wuchs, fortreissen. So machte er von Helsingfors einen Abstecher durch Ehstland bis Dorpat, um auch das dem Finnischen Stamme angehörige Volk der Ehsten zu studiren, und kam von Dorpat nach St. Petersburg, unterwegs einen besondern, bei Narwa ansässigen Zweig der Finnen studirend. In Petersburg warf er sich mit Inbrunst auf das Studium der vergleichenden Sprachkunde. Ich lernte ihn kennen, da er mir von Dorpat aus empfohlen war, mehr aber empfahl er sich, nicht nur durch eine äussere einnehmende Gestalt und ein ebenso kindlich-herzliches, als fein-anständiges Betragen, und durch sein unüberwindliches Interesse für

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