Druckschrift 
Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
Entstehung
Seite
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Naturgegenstände weckte. Wenigstens habe ich später nie Schlüsselblumen sehen können, ohne mich zu erinnern, wie zahl- reich sie im Frühlinge auf dem Hofe von Lassila erschienen, oder den zierlichen Frauenschub(Qpripedium Calceolus), ohne an die ersten auf jenem Gute gesehenen erinnert zu werden.— Auch kam der frühste lebhafte Eindruck, dessen ich mich erin- nere, von einem Natur-Objecte. Es war eine förmliche Visite auf einem benachbarten Gute(Jömper) zu machen, um ein junges Ehepaar zu bewillkommnen, oder dergleichen. Ich war dabei ganz überflüssig, da keine Kinder da waren, allein man wollte den Wildfang nicht ohne Aufsicht lassen und nahm ihn mit. Dort angekommen hiess es aber:„Bleibe du draussen, wir wer- den hineingehen und bald wieder herauskommen, um nach Hause zu fahren.“ Es war mir nicht gesagt, wie nahe an der Equipage ich mich halten sollte. Ich fing also wohlgemuth eine Re- cognoscirung des neuen Terrains an, und kam dabei aus einem Hof in den andern, als ich plötzlich zu meinem Erstaunen und Entzücken, einen Pfau erblickte, der auf einem Zaune sitzend ein Rad schlug. Diese Pracht, dieser Glanz versetzten mich in eine bewusstlose Erstarrung. Auch der Pfau rührte sich nicht, als ob er an meiner Bewunderung sich erfreut hätte. Wie lange ich so gefesselt dagestanden habe, weiss ich nicht, doch mag es ziemlich lange gewesen seyn, wie der Erfolg lehrte. Ich kam nämlich nicht eher zum Bewusstseyn, als bis ich heftig am Arme gefasst wurde und meine Pflegemutter mit sehr erhitztem Ge- sichte vor mir stand:„Um Gottes Willen! wo steckst du denn? Wir haben nach dir gesucht, wir haben gerufen, keiner hat ge- antwortet; wir haben im Teiche nachgesehen, ob du vielleicht ertrunken wärst?“ Noch sprachlos konnte ich nur mit der nicht geenterten linken Hand nach dem Pfauenschwanze zeigen, von dem ich immer noch nicht recht wusste, ob er ein wirkliches Object oder ein Blendwerk sey. Erst jetzt erhielt ich die nöthige Belehrung. Die Erklärung aber, dass der Pfau ein Vogel sey wie unsre Truthühner und wie diese ein Rad schlage, befriedigte mich wenig. Der Eindruck, den dieser überraschende Anblick auf mich gemacht hatte, war so bleibend, dass ich noch im spã- tern Mannesalter, nachdem ich häufig in Museen Pfauen in dieser

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