Druckschrift 
Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
Entstehung
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zu dieser Abbildung in C. Gessner's Iistoria animalium zu finden. Gessner hatte es wieder von Albrecht Dürer, dem berühmten Künstler, der zwar nie ein Nasehorn gesehen, aber von einem gehört hatte, das nach Lissabon gekommen war, und das er also malte ¹). Da derselbe mässige Octavband auch Ab- bildungen von allerlei Wappen enthielt, so muss er wohl von sehr encyclopädischem Inhalte gewesen seyn. Auch versagte er jedesmal den Dienst, wenn ich ein Schneckenhaus oder eine Ver- steinerung nach Hause brachte, die sich zuweilen am Kalkofen aus dem Muttergestein loslöste, und mein Onkel in diesem ein- zigen ihm zu Gebote stehenden Wissensquell nachschlug. Meine zusammen getragenen Naturmerkwürdigkeiten wurden als Fami- lien-Eigenthum in einer Schieblade verwahrt, damit ich sie nicht verlöre und sind eben deshalb verloren gegangen, was mir für eine hochgewundene fossile Schnecke leid thut, die ich nicht wieder in einer Sammlung von Schnecken aus dem Silurischen

Kalk gesehen habe, und die mir doch sehr erinnerlich ist.

7 Wohl aber glaube ich annehmen zu können, dass die Um- gegend von Lassila einen gewissen Sinn oder ein Gefühl für Gessners wiederfand, war ich schon Privatdocent. Da ich nun wusste, dass das zweihörnige Nasehorn beide Hörner auf dem ed habe, und aus dem Buche selbst ersah, das jenes Bild gar nicht nach der Natur, sondern aus der Phantasie gezeichnet war, trat die feriNer une dass ich dasselbe Bild in früher Kindheit gesehen hatte, hervor. Vielleicht wären auch die andern Bilder wieder ins Bewusstseyn getreten, wenn ähnliche Wider- sprüche sich gegen sie erhoben hätten. Ohne diese gingen sie verloren. 1) Dass C. Gessner diese Abbildung, von der er wissen musste, dass der Anfertiger derselben nie ein Nasehorn gesehen hatte, in sein Werk aufnahm, und ruhmredig sagt, dass sie von einem grossen Meister komme, hat mir immer als Beweis gedient, wie langsam die Vorstellung sich ent- 44

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zeichnet seyn müsse. Ursprünglich waren diese Abbildungen nur Bilder

e, dass ein naturhistorischer Gegenstand auch nach der Natur ge-

der Vorstellungen, die man hatte, nicht der gesehenen Objecte, denn man hat von allen den fabelhaften Thieren, welche im Albertus Magnus, im Olaus Magnus u. s. w. vorkommen, auch Abbildungen, obgleich kein Mensch sie gesehen hatte. Diese Abbildungen wurden dennoch lange wie- derholt. C. Gessner war kritischer und liess die meisten weg. Aber bei den Säugethieren liess er das Nasehorn, einen gehörnten Hasenkopf und einiges Andre doch durch, und in dem Buche über die Fische recht viele Phantasie-Gebilde.

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