Druckschrift 
Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
Entstehung
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Ein kleines im Winkel gebautes Wohngebäude, das nur sehr enge Zimmer enthielt, schien durch seine Beschaffenheit ins Freie zu treiben, wenn die Luft es irgend erlaubte, und die Eingangs- treppe, mit zwei schönen Bäumen, einem hreichiigen Ahorn und einer jüngern Ulme geschmückt, n: hn sogleich den Austretenden in deren Schatten auf. Hier sass mein Onkel im Sommer am liebsten, wenn er unbeschäftigt war, hier gab er den Aufsehern der Arbeiten in der Wirthschaft Audienz, wenn sie ihm zu be— richten hatten. Ein abhängiger blumiger Hof, der zwei mit ein- zelnen Weiden umpflanzte Teiche umsch loss, lockte weiter und führte in einen hoch beschatteten Hühne erhof, wo den einzelnen brütenden Hennen, Enten, Gänsen und Dater kleine, rothge- dachte Häuserchen oder Zelt chen von Holz erbaut waren. Dies Ganze machte, wenn man es zur Brütezeit besuchte, einen unge- mein heimischen und friedlichen Eindruck, der mir noch in leb- hafter Erinnerung geblieben ist. Wenn aber die Brütezeit vor- über war, belebte dieses bunte Gemisch von Geflügel mit der glücklich erzielten Nachkommenschaft den Hof und die Teiche, und gab dem Knaben Gelegenheit, seine ersten Heldenthaten an den polternden Truthähnen zu versuchen und seine Standhaftig- keit an den mit vorgestreckten Hälsen zischenden Mutter-Gänsen zu üben. Rindvieh durfte den stets reinlich gehaltenen Hof gar nicht betreten, und Pferde nur, wenn sie geführt wurden.

Den Garten, der an eine Seite des Wohngebäudes stiess, würde man jetzt wohl kaum zierlich nennen, obgleich mein On- kel ein eifriger Gärtner war, der jedes Bäumchen selbst pflanzte und jede Blume selbst anband, wobei ich die Ehre hatte, der treue Famulus zu seyn. Er atte ab ber die Grille, einen künst- lichen, mit tiefem Graben umgebenen„Parnass“ aufwerfen zu lassen, aus Spanischem Plieder ein„Labyrinth“ oder eine „SelMcckengang,„‚aus Fruchthecken aber einen„Schlangengang“ und einen„Irrgang“ zu bilden. Dass diese Curiosa schön w aren, will ich nich behaupten, aber sie beschäftigten die Phantasie des Knaben, welche noc B durch ein zierliches buntes Bienen- haus, nicht eiwa rohe Bienenstöcke, allerlei Gezelte, Lauben und ihuliche Dinge in Anspruch senommen war. Ueberhaupt durfte dieser Garten als Bild früheren Geschmackes bei uns, der eben

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