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Theil durch oͤffentliche, rückhaltloſe Berichterſtattung deren Lücken freiwillig ausgefüllt. Außerdem aber haben Sie 8 Nummern des „Jüngſten Tags“ in der Hand, deren Spalten meinen Namen als verantwortlichen Redakteur ſchwarz auf weiß an der Stirne tragen. Jedes dieſer bedruckten Blätter kann ſich in Ihren amilech bewaff⸗ neten Augen als die rothe Fahne einer republikaniſchen Verſchwoͤ⸗ rung zu einer Anklage⸗Akte geſtalten; jede Zeile kann von Ihrer juriſtiſchen Kritik als literariſche Freiſchäͤrler⸗Kolonne interpretirt werden. Ich brauche Sie nicht an das berüchtigte Wor! Riche⸗ lieu's zu erinnern, das als ein vor der Unterſuchung gefälltes Todes⸗ urtheil auch bei unſern politiſchen Tendenzprozeſſen oft ſchon praktiſche Geltung gewonnen hat:„Gebt mir vier geſchrie⸗ bene Worte von einem Angeklagten, und ich will ihn an den Galgen bringen!“
Glauben Sie nicht, Herr Criminalrichter, daß ich irgend eines meiner Worte nachträglich widerrufen oder abläugnen werde; ich habe jedes derſelben nur nach ernſter Erwägung und im vollen Bewußtſein der daraus moglicherweiſe erwachſenden gerichtlichen Verantwortlichkeit offen und ehrlich ausgeſprochen. Meine ganze bisherige politiſche Thätigkeit liegt kltar vor Ihren Augen; ſie war der Ausfluß meiner innerſten Ueberzeugung. Sie dürfen alle Num⸗ mern der Mannheimer Abendzeitung, des Zuſchauers, der deutſchen Volkszeitung, des Jüngſten Tags und die Protokolle des demokrat. Bezirksausſchuſſes zu den Akten legen; Sie rürfen alle Bürger und Bauern, Männer und Weiber der Provin Oberheſſen, in deren Mitte ich ſeit März von der Tribüne ſprach, maſſenweiſe protokolla⸗ riſch vernehmen laſſen:— ich werde keinen einzigen der gegen mich aufgerufenen papiernen und lebendigen Belaſtungszengen perhorres⸗ ciren, ſondern es ruhig dem Gerichte überlaſſen, ihre Ansſagen ne⸗ ben einander abzuwägen. Ich habe nicht nöthig, Ihnen mein poli⸗ uſches Glaubensbekenntniß hier nochmals abzulegen; es iſt ſeitdem im Weſentlichen daſſelbe geblieben und nur durch die Erfahrungen der letzten Tage noch„hochverrätheriſcher“ geworden.
Wenn ich trotzdem mich veranlaßt fand, Ihrer Vorladung nicht Folge zu leiſten, ſo habe ich die naheliegenden Motive dieſes Schrit⸗ tes, den Sie vernünftigerweiſe nicht als ein thatſächliches Zugeſtänd⸗ niß meiner Schuld auffaſſen dürfen, oben ſchon angedeutet. Ich bin nach, wie vor, bereit, auf die erhobene Anklage vor den Schran⸗ ken eines kompetenten Gerichtshofs zu antworten; aber ich bin auch geſetzlich befugt, gegen Ihre Eompetenz und überhaupt gegen die Compeienz jedes geheimen Inquiſitionsgerichts in meiner Sache laut und entſchieden zu proteſtiren. Ich berufe mich auf das von Sr. königl. Hoheit, dem Großherzog von Heſſen unterzeichnete undgvon dem verantwortlichen Miniſter Gagern contraſignirte Patent vom 6. März, als die von amtlicher Seite jederzeit ſo bereitwillig an⸗


