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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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hoſgerichtsrahlichen Rüſtkammer bereit; aber ich ſprach zugleich die Hoffnung aus, daß die inkriminirtenHunde der Gieſſener Demo⸗ kraten vorkommendenfalls ſich nicht feig einfangen laſſen, ſondern ibren Gegnern muthigdie Zähne weiſen würden, und paß dieſe Hoffnung mich nicht ganz getäuſcht hat, hat mir inzwiſchen die Nachricht von den gegen die Butzbacher Dragonade errichteten Bare rikaden und von der nach der Reſtdenz entſandten Deputation zur Abberufung des zc. Küchler bewieſen.

Herr Crimtnal⸗Richter! Sie oderßIhr College Höpfner haben ſchon am frühen Morgen nach jener Verſammlung, in welcher mir ein amtlicher Correſpondent der amtlichen Oberpoſtamts⸗Zeitung⸗ lächerlich genugunglaubliche Invektiven gegen den Großherzog und das Miniſterium in den Mund gelegt hat, mit einem impoſanten Truppen⸗Corps von 5 Stück Gensd'armen und 2 ditto Polizeidienern mein Haus nullitäriſch beſetzt, meine leere Siube in Belagerungszu⸗ ſtand erklärt und, in Ermangelung meiner leibhaftigen Perſon, meine Papiere gerichtlich mit Beſchlag belegt. Ich ſelbſt habe dieſe unzweideutigen Manöver zu meinem hohen Erſtaunen in unmittel⸗ halen Nähe beobachtet, meil ich es vorzog, mich zuvor mit eignen Angen von der Wahrheit jener Gerüchte zu überzeugen, und weil ich der nefahr nur dann aus dem Wege gehen wollte, wenn ſie mir in greifbaren Umriſſen, mit dem herkömmlichen rothkragiſchen Appendix und dem Verhaftsbefehl in der Hand, gegenüberträte. Indeſſen habe ich es darauf hin in einer Anwandlung nothgedrun⸗ genen Humors für geeignet erachtet, mit der hohen Juſtiz ein we⸗ nig Vlindekuh zu ſpielen und, im Vertrauen auf die Galanterie des Gieſſener Polizei⸗ Perſonals als wohlausſtaffirtes Fräulein in partibus eine Promenade zu den Stadt⸗Thoren hinaus anzutreten. Meine Berechnung täuſchte mich nicht, wie ich zu Ehren Ihrer Sbirren gerne geſtehe, und man hat die improdiſtrte Amazone un beanſtandet paſſtren laſſen.

Aber Ihre Verfolgung hat ſich bald auch bis über das Weich⸗ bild der Stadt Gießen und die Provinz Oberheſſen hinaus erſtreckt, und Sie haben es für gut befunden, mich in efſigie von Kopf bis zu Fuß durch 1as polizeiliche Daguerrotyp eines Stecktriefs an den Pranger des Frankfurter Journals auszuſtellen, eine für mich völ⸗ lig unerwartete Maßregel, die mich zu meinem höchſten Bevauern dazu noͤthigte, dem golduen Mainz und demgrundrechtlich freien, polizei⸗einheitlich deurſchen Vaterlande Lebewohl zu ſagen und ln der überrheiniſchen Hochverräther⸗, Freiſchärler⸗ undſonſtiger, Verbrecher⸗Colonie Straßburg, Len politiſchen Botany⸗Vag dr deutſchen Monarchie, ein gaſtliches Aſyl zu ſuchen.

Ich könnte fäglich eine Kritik jenes in vielfacher Weziehung mexkwürrigen ſtatkbrieflichen Dokuments dem geſunden Sinne mei⸗ ner oberheffiſchen Londsleute überlaſſen, deien weihe Perſonlichkeit