— 251—
einzelter Mißton hindurchzuklingen vermag, und auch mir, dem mit Unrecht verſchrieenen„Krakehler“, dem„böſen F.“, wie mich die oberheſſiſchen Bauern anno 48, in gewiſſem Sinne mit Unrecht, getauft haben, werden Sie gewiß gerne zugeſtehen, daß ich, fröhlich mit den Fröhlichen,(Letzteres freilich nicht ohne„h“ zu ſchreiben!) in Ihren Kreiſen niemals ein Spielverderber geweſen bin. Ihnen allen aber ſage ich für Ihr jederzeit herzliches und freundſchaftliches Entgegenkommen nicht nur im geſellſchaftlichen, ſondern auch im Privat⸗Verkehr hiermit öffentlich in meinem und meiner Familie Namen unſern ehrlichen tiefgefühlteſten Dank. Die Erinnerung an die heiteren Stunden, die wir hier auf der Höhe des ſo unwirth⸗ lich geſcholtenen Vogelsbergs in Geſellſchaft ſolcher Freunde ver⸗ lebten, wird uns lange noch im Gedächtniſſe bleiben. Und ſo ſchließe ich denn mit einem aus vollem Herzen kommenden drei⸗ fachen Hoch auf unſre gemeinſame theure Heimathsprovinz Ober⸗ heſſen, auf den viel geſchmähten, aber noch mehr verkannten Vogelsberg, deſſen Baſaltboden ein zähes Geſchlecht von ächten Urenkeln der alten Katten erzeugt, und zu deſſen ſchriftſtelleriſchen Söhnen ich mich nebſt meinen Freunden und Vettern Otto Müller und Ihrem Adolf Calmberg mit Stolz zähle, vor Allem aber auf die gemüthliche Stadt L., ſo zu ſagen das Tobolsk unſres „heſſiſchen Sibirien“, wo zwar leider! keine Zobel mehr zu fangen ſind, die Staatsverbrecher aber auch nicht mehr in den tiefen Schachten der Bergwerke arbeiten, ſondern, wie ich ſelbſt anno 1847, mit germaniſcher Humanität zwiſchen zwei menſchenfreund⸗ lichen Gensd'armen, ſtatt per Kibitke, per Droſchke fortge,ſchubt“ werden. Ich trinke auf das Wohl dieſer für mich heiligen Drei⸗ faltigkeit und fordere Sie auf, derſelben zu Ehren auch Ihre Gläſer mit mir zu leeren. Sie lebe hoch!“——
Das allgemeine Bravo! läßt ſich leicht denken. Aber auch kaum einer meiner zahlreichen, in oft übermüthiger Laune hervor⸗ geſprudelten Feſt⸗Toaſte war mir jemals ſo ſehr dem Herzen ent⸗ guollen. Noch heute gedenke ich der unter Brand⸗ und Obſtwein⸗, ſowie auch Eſſig⸗Fäſſern daheim geſchäftlich und zugleich der auf den Theaterbrettern, in dem Ballſaal und dem Kneipſtübchen des Caſino's, ſowie bei dem freiherrlich R.'ſchen Bier der„Frau Martha“ geſellſchaftlich zu L. verlebten fröhlichen Stunden mit wahrem Vergnügen, und wenn ich daſelbſt auch nicht, mit dem bekannten Volkslied,„meinen Strumpf verloren“ habe, ſo ließ ich doch einen weſentlichen Theil meiner ungetrübteſten Jugenderinne⸗ rungen unter den lieben Bewohnern des Vogelsberger Induſtrie⸗ ſtädtchens zurück.—
Wie es mir in der Reſidenz erging, wo ich mich zur Siche⸗ rung vor etwaiger abermaliger Polizei⸗Ausweiſung durch Erwerbung


