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interpellirte, erwiederte mir derſelbe achſelzuckend:„Auf eine in der Art motivirte Anfrage, wie die Ihrige, die nicht einmal das in ſolchen Fällen ganz unerläßliche„pater peccavi!“ und das Gelöbniß, ſich ähnlicher Excentricitäten für die Folge unverbrüchlich enthalten zu wollen, bietet, werden Sie ſchwerlich je eine Antwort erhalten. Hätten Sie ſich dazu verſtanden, ſo hätte man Ihnen vielleicht einen nicht un⸗ günſtigen Beſcheid gegeben!“„Nein!“ erwiederte ich, vor Zorn aufſtampfend,„daß ich mich vor ihnen platt auf den Bauch werfe, um hinterdrein doch noch unter Auspoſaunung durch ihre Zeitung einen gnädigen Fußtritt zu erhalten, darauf können die Herren noch lange warten!“ Es iſt Dies Gottlob auch niemals mit einer Silbe geſchehen, trotz der nachträglichen Bitten meiner Mutter. Aber meine Stempelgebühren, die doch nach dem da⸗ maligen Preiſe volle 4 Flaſchen Bier repräſentirten, war ian nie⸗ mals ſo honorig, mir zurückzu vergütent Und Letzteres gerade hat mich am Schwerſten geärgert.—
Was nun anfangen! So fragte ich mich, des Bum⸗ melns müde und in Gedanken an das bekümmerte Geſicht der guten alten Frau, meiner Mutter, jeden Morgen beim Erwachen und jeden Abend beim Zubettegehen. Anfangs verfiel ich faute de mieux auf den desperaten Gedanken, die väterliche Blau⸗ und Schönfärberei, deren ſämmtliche Apparate daheim noch in beſtem Stand waren, wieder aufzunehmen, und glaubte in dieſem Falle der Kundſchaft unſrer Vogelsberger Bauern, die zweifellos zu mir geſtrömt ſein würden, vollkommen ſicher zu ſein. Davon aber wurde mir allerſeits dringend abgerathen, da ich mich zu einem ſolchen, damals ohnehin nicht mehr beſonders lohnenden Gewerbe ganz und gar nicht eigne. So dachte ich denn auch Angeſichts andrer, mir mehr geiſtige Beſchäftigung bietender Berufsarten, wie der brave, inzwiſchen als wohlhabender kleiner Banquier in Paris geſtorbene Ludwig Simon von Trier, ebenfalls zuletzt ein Pegaſus im Joche, am Schluſſe ſeines Buches„Aus dem Exil“ ruft:„Es geht nicht an. Ich muß meine bisherige Lebensweiſe gründlich ändern; es muß noch ein Stück Spiritualis⸗ mus unter die Füße, damit die Materie überlebe!— Was ich nun anfange?— Ich werde Commis!“——
Verſchiedene Schritte, die ich, zum Theil auf Grund einfluß⸗ reicher Empſehlungen, da und dort gethan, um mir in der Heimath durch Annahme einer Comptoiriſten⸗Stelle, ſei es vorerſt auch nur als unſalarirter Volontär, den Eintritt in die allein noch offen ſtehende kaufmänniſche Carriere zu verſchaffen, ſchlugen leider! fehl. Wenn auch der Eine oder Andere eine gewandte und ausdauernde Arbeitskraft, wie die meinige, gar leicht und vortheilhaft hätte


