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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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wie mich denn auch auf der andern Seite der thatſächliche Um⸗ ſtand ermuthigt, daß inzwiſchen ſchon mehrere meiner ehemaligen Univerſitäts⸗ und beziehungsweiſe auch politiſchen Geſinnungs⸗ Genoſſen, die ſich im Jahre 1848 und ſpäterhin noch ebenfalls an öffentlichen Manifeſtationen oppoſitioneller Natur notoriſch betheiligt haben,(darunter z. B. mehrere Pfarramts⸗Candidaten, auch Juriſten) ungehindert und, meines Wiſſens, auch ohne Ver⸗ langen eines Widerrufs zum Facultäts⸗ und Staats⸗Examen zugelaſſen worden ſind. Auf dies Präjudiz mich beziehend, darf ich ſchließlich wohl noch darauf aufmerkſam machen, daß mein von allen Demonſtrationen und Agitationen fernes Verhalten im Laufe der nach meiner Freilaſſung nun ſchon verfloſſenen 6 Monate weder hier, noch anderwärts zu irgend einer ernſtlichen Beſchwerde Veranlaſſung geboten hat, in welcher Hinſicht ich mich getroſt auf die Zeugniſſe der betr. Gr. Lokalbehörden beruſen kann.

In der dadurch begründeten Hoffnung auf einen baldigen günſtigen

Beſcheid verharre ich eines Gr. Miniſteriums ergebenſter R. F., Stud. jur. S...... n, den 24. Sept. 1851.

Die wortgetreue Uebereinſtimmung mit dem durch meine Hände gegangenen Original beglaubige ich auf Verlangen.

Darmſtadt, 27. Sept. 1851.

Aug. Becker, L. T. Abgeordneter.

Meinem Freunde Auguſt Becker konnte man nach ſeinen, ſchon aus den 30er Jahren datirenden politiſchen Antecedentien eine gewiſſe praktiſche Erfahrung gerade auf dieſem Gebiete ſicher nicht abſprechen. War er doch ſ. Zt. politiſch als Theologe ge⸗ ſcheitert und ich, der, wie ich mit einem frivolen Wortwitze öfter zu ſagen pflegte, in der Theologieglücklicher Weiſe verunglückt war, befand mich als juriſtiſcher Convertit demſelben Schiffbruche mit veränderter Flagge gegenüber! Seine Antwort, deren Datum Darmſtadt, 1. October 1851 ich nach löblicher Gewohnheit des Briefſchreibers nur aus dem Poſtſtempel erſehe, ſtörte glücklicher Weiſe noch rechtzeitig meine gar naiven Illuſionen. Ich gebe deren Hauptſtellen in ihrer für A. B. charakteriſtiſchen naturwüchſigen Derbheit hier wörtlich wieder:

Lieber Kleiner! Deine Eingabe habe ich ſogleich mit der Stadtpoſt expedirt, nachdem ich ſie unter Beihülfe H. K's. ſehr gewiſſenhaft mit dem Original verglichen habe. Mit der Haltung des Actenſtücks bin ich allerdings zufrieden bis auf den Paſſus, wo Du dich auf die Behandlung Deiner Univerſitäts⸗ und Meinungsgenoſſen berufſt. Dieſe Anſpielung könnte Herrn von