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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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Im Anfang ſchuf Gott Himmel und Erde! Und ſinge aus dem Geſangbuch den rührenden Choral: Mich, ruft der Baum in ſeiner Pracht,

Mich, ruft die Saat, hat Gott genacht Gebt unſrem Schöpfer Ehre!

O sancta simplicitas! Da fällt mir immer jene von Arnold Ruge ganz köſtlich erzählte Anecdote ein, womit ich übrigens nur die naive Dürftigkeit des Gottesbegriffs eines desVerſtandes der Verſtändigen entbehrenden, dafür aber das praktiſche Chriſtenthum in Einfalt übenden lindlichen Gemüths ohne allen Spott ich haſſe grundſätzlich jede verletzende Perſiflage einer ehrlichen, auch im Leben bethätigten fremden Ueberzeugung! charakteriſiren will. In einer ſtillen Mondſchein⸗ und Sternen Nacht fuhren zwei Schiffer über den Rhein. Der Eine, im Anblick des prachtvollen Firmaments von religiöſen Reminiscenzen aus der weilandCon⸗ firmandenſtunde angewandelt, fragte ſeinen etwas ketzeriſchen Ge⸗ fährten:Hannes, glaubſt du an Gott? Und als Jener achſel⸗ zuckend ſchwieg, deutete er, alle Zweifel niederſchmetternd, demon⸗ ſtrativ nach dem Heer der blinkenden großen und kleinen Sterne des Himmels:Nun, ſind denn die da oben hinaufge..... 27 Und mit dieſem ſimplen argumentum ad hominem beznügen ſich die Meiſten.Ein jegliches Werk muß ſeinen Urheber haben, ſo lernten wir einſt in der Schule auswendig;der aber Alles gebaut hat, das iſt Gott!

Ja, duheilige Einfalt! Du haſt deiner Unwiſſenheit nur einen loyalen Namen gegeben und ſie als göttliche Weisheit, in Purpur gewickelt, auf den Thron geſetzt. Aehnlich ohngefähr ſagt die jammernde Hausfrau, wenn das Geſchirr zerſchmettert in der Küche liegt und die Magd die Aatorſchaſt abläugnet:Es war der Niemand, der die Töpfe zerbrich zt. Dieſer opug iſt zwar ein anderer, als der des Odyſſeus in der Höhle Polyphem's; aber er iſt doch auch ſo eine Artasylum ignorantiae.

Warum ereiſern ſich nur orthodore chriſtliche Theologen ſo ſehr über den heitren Polhiheisnans fie Griechen? Ihr Glaube war im Grunde eben ſo berechtigt, als der unſrige, ihreOffen⸗ barung als mythologiſcher Anthropomorphismns dem kindlichen Gemüthe eine ernſte heilige Autorität, wie die unſrige; doch war ſie ungleich poetiſcher. An der tieß(lnden Quelle eines jeden F Fluſſes lag ein Gott, am Uferſchilf plätſcherten luſtige Nymphen und trockneten ihr triefendes langes Haar am Strahle der Sonne. Auf den Wogen des tobenden Oceans ſchwang N. eptun ſeinen gewaltigen Dreizack; die Tritonen mit ſchuppigen Leibern ritten auf Delphinen und blieſen auf den Muſcheln Signale; die keuſche Luna verbarg