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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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ordentliche Vorſichtsmaßregeln getroffen und das Aſſiſenlocal durch eine Abtheilung Soldaten und eine Unmaſſe von Gensd'armen beſetzen laſſen. Trotz aller dieſer Vorkehrungen und obgleich der Hof des Aſſiſenlocals militäriſch geräumt und F. auf einem Umwege ins Arreſthaus zurückgebracht wurde, begrüßten denſelben überall die begeiſterten Hoch's einer zahlreichen Volks⸗ menge. Nächſten Montag, den 16. d. Mts., kommt die Sache wegen desoffenen Briefes(an Criminalrichter Klingelhöffer in Bezug auf deſſen Steckbrief) zur Verhandlung.

Dieſes Nachſpiel vom folgenden Montag, deſſen Reſultat nach dem vorherigen Wahrſpruche über die weit ſchwereren An⸗ klagen ziemlich ſicher vorauszuſehen war, konnte mich um ſo weniger noch echauffiren, als mir ſchon am vorangegangenen Samſtag Morgen der Staatsanwalt unter freundlichem Glückwunſch die Hand geſchüttelt und die Hoffnung ausgeſprochen hatte, daß ich fortan, unter Beherzigung der erhaltenen Lection, noch eine Zierde des heſſiſchen Staatsdienſtes oder doch des Barreau's als Advocat werden würde. Als ich ihn unter herzlichem Dank darauf hinwies, daß ja noch ein weiteres Zuſammentreffen für den Montag vor denſelben Gerichtsſchranken zwiſchen uns bevorſtände und mir daher ſeine, wie ich gar nicht bezweifle, herzlich gemeinte Gratulation etwas bedenklich anticipirt erſcheine, erwiederte er mit lachendem Achſelzucken: die Montags⸗Verhandlung habe als kleines Nachſchar⸗ mützel, nachdem die Hauptſchlacht entſchieden ſei, wenig mehr zu bedeuten und wenn er dabei auch mir noch einmal offcciell die Zähne weiſen müſſe, ſo ſei doch nach dem Ausgange des großen Hauptproceſſes an einer günſtigen Erledigung des kleinenPoſt⸗ ſcriptes kaum zu zweifeln.Im Uebrigen, ſchloß er,haben Sie ſich nun hinlänglich die Finger verſengt. Für die Folge rathe ich Ihnen, als gebranntes Kind das Feuer etwas mehr zu ſcheuen. Nun, erwiederte ich lächelnd,wenn Sie mir Das ſelber ſagen, ſo kann ich unſerm gemeinſamen Deſſert nach verdauter Haupt⸗ mahlzeit mit um ſo größerer Ruhe entgegenſehen! In der That verlief die montägliche Schlußverhandlung Ziemlich raſch und glatt, obſchon auch ſie wieder einige intereſſante Intermezzos bot. Meine nur als reine Perſiflage in der letzten Gießener Volksverſammlung ausgeſprochene eventuelle Verurtheilung des Großherzogs, reſp. ſeiner verantwortlichen Miniſter, wegen Angriffen auf den Fort⸗ beſtand des zur Zeit noch rechtlich exiſtirenden hohen Bundestags, d. h. alſo wegenHochverraths, zu 16 Jahren Zuchthaus, im Grunde weiter Nichts, als ein ſ. g.ſchlechter Studentenwitz wurde mir als ernſtliche Majeſtätsbeleidigung zur Laſt gelegt. Ferner ſollte eine andre Stelle meinesoffnen Briefs, worin es hieß:Das hochverehrliche Hofgericht in Gießen, ein Collegium,