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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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eines Almoſens zu demüthigen, deſſen öffentlich zur Schau getragene Motive eine Beleidigung für uns ſelbſt und unſre politiſche Ueber⸗ zeugung ſind. Abgeſehen von dem verletzenden Mißtrauen, was in der von Ihnen zur Beruhigung der Geber ausdrücklich hervorge⸗ hobenen Verſicherung liegt, daß die Reiſegelder nicht den Flüchtlingen ſelbſt in die Hand gegeben werden ſollen, trägt Ihr in den Zei⸗ tungen publicirter Aufruf das Motiv an der Stirne, daß wir bei fortgeſetztem Aufenthalt an der franzöſiſchen Grenze der Gefahr ausgeſetzt ſeien, uns jedem, auch dem tollkühnſten Unternehmen an⸗ zuſchließen. Ja, Herr Proſeſſor Vogt ſagt geradezu in einem über dieſe Angelegenheit an Einige von uns gerichteten Briefe mit der ihm eigenthümlichen burſchikos⸗parlamentariſchen Delikateſſe, daß überhaupt, wenn eine Revolution in Deutſchland ausbrechen ſollte, wozu gar keine Ausſicht ſei, die Betheiligung der Flüchtlinge nur Schaden bringe! Dieſe Motive müſſen uns, in Verbindung mit den Namen der Unterzeichner, deren Mehrheit der Partei unſrer politiſchen Gegner angehört, darauf ſchließen laſſen, als ſei das fragliche Unternehmen nicht ſowohl ein Beweis der Sympathie für uns und unſre Sache, als vielmehr eine zur eignen Beruhigung der durch die Fortdauer unſres hieſigen Aufenthalts beläſtigten Geber getroffene Abfindungs-Maßregel, dazu beſtimmt, uns als die vorausſichtlichen Theilnehmer einer von jener Seite be⸗ fürchteten, von allen Freunden der Volksfreiheit aber ſehnlichſt erwarteten neuen Revolution durch eine auf dem Wege der Collecte beſtrittene Maſſen⸗Deportation nach Amerika ſich für immer vom Halſe zu ſchaffen. Wir Unterzeichneten verwahren uns hiermit, ohne dadurch der etwaigen Geneigtheit unſrer übrigen Exilgenoſſen irgendwie in den Weg treten zu wollen, entſchieden gegen die Annahme einer in ſolcher Form und aus ſolchen Händen uns dargebotenen Unterſtützung. Zugleich proteſtiren wir aus⸗ drücklich gegen die Art und Weiſe, womit die bisherigen oder noch bevorſtehenden Schilderhebungen unſrer Partei indirect in die Ka⸗ tegorietollkühner Unternehmungen geworfen und darauf hinge⸗ deutet wird, als ſei es bloß unſre augenblickliche bedrängte per⸗ ſönliche Lage, der Mangel an geeignetem Zeitvertreib ꝛc. und nicht vielmehr unſre wohlbegründete politiſche Ueberzeugung, die uns etwa noch einmal die Waffen gegen die Monarchie in die Hand drücken würde. Wir haben jederzeit mit bereitwilligerer Aufopfe⸗ rung, als manche Andre, unſre perſönlichen Intereſſen denen unſres Geſammtvaterlandes nachgeſtellt und werden niemals ſo gewiſſenlos ſein, aus bloßem Mangel an Geld oder Beſchäftigung unſre Mit⸗ bürger auf's Geradewohl den Gefahren eines muthwillig entzün⸗ deten Bürgerkriegs preiszugeben. Allerdings wiſſen wir, daß viele Herren, die auf der Tribüne der Paulskirche für die ſogenannte

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