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politiſche Vereine: 1) einen entſchieden ſich nennenden republi⸗ kaniſchen Verein, in welchem Auguſt Becker, die Studenten Fendt und Hillebrand(Sohn des Oberſtudienraths) und andre ge⸗ meinſchaftlich mit Handwerksgeſellen(1) das Wohl Deutſchlands berathen, 2) den Märzverein mit dem Programm: Freiheit für jedes Land, ſich ſeine Verfaſſung ſelbſt zu geben, republikaniſche Spitze für ganz Deutſchland, Einſchmelzung der kleinen Staaten (von Vogt in ſeinem Wahlbekenntniß„Zwetſchenländchen“ genannt), 3) den Bürgerclub, in welchem nach den Statuten jede poli⸗ tiſche Meinung vertreten ſein darf und durch den, wie es ſcheint, am Meiſten darauf hingewirkt werden ſoll, die eigentliche Bürger⸗ ſchaft für die Republik zu gewinnen. Es gelang aber bis jetzt nur, die Bürger eine Zeit lang ſür Herrn C. Vogt zu entflammen, worauf jetzt ſtarke Abkühlung zu folgen ſcheint und zwar durch die „Aufopferung“ des Herrn Vogt ſelbſt, wie ſie die„Fliegenden Blätter“ ſchildern.. 4) den vaterländiſchen conſtitutionell⸗monarchiſchen Verein, der erſt neuerdings eine größere Wirkſamkeit entfaltet. Weil aber die vorgenannten Vereine für unſre Stadt nicht befriedigend genug ſind, ſo hat ſich vor einigen Tagen noch 5) ein demo⸗ kratiſcher Verein gebildet, unter dem Vorſitze des Dr. Winther. Böſe Zungen meinen, es wolle leider mit den republikaniſchen Vereinen nicht mehr vorwärts, man ſcheue ſelbſt den Namen.“(2)
Ueber die allerdings ſehr zwangloſe, nach mancher Seite höchſt anſtößige Agitation von uns paar republikaniſchen Studenten war das fragliche conſervative Blatt damals außer ſich und denun⸗ cirte uns förmlich der Polizei. Da heißt es in einem Artikel vom 14. Auguſt 1848 aus Gießen u. A.:„Ganz allgemein(?) iſt der Wunſch, daß mehreren jungen Herren, die mit Wort und Schrift in und außer den Volksverſammlungen die Republik predigen und die eigentliche Aufgabe ihres Hierſeins ſo ganz verkennen, doch endlich in irgend einer Weiſe(1!) das Handwerk gelegt werde. Ueberhaupt wird es eine der ernſtlichſten Erwägungen für die Na⸗ tionalverſammlung ſein, bei den zu erwartenden Verhandlungen über die Geſtaltung und Reform der Univerſitäten die gewünſchte Freiheit mit den nothwendigen Rückſichten in Einklang zu bringen, welche das wahre Wohl der Studirenden ſelbſt,( wie väterlich!) der Univerſitäten und des Staates überhaupt fordern.(Alſo eine neue Auflage der famoſen Carlsbader Beſchlüſſe u. ſ. w. in moder⸗ niſirter Form.) Daß auch hier vorläuſig viel Mißverſtand, ja Unſinn über die ſogenannte Freiheit mit unterlaufe, daß der Staat die Univerſitäten nicht zu Pflanzſchulen der Ungebundenheit und Zügelloſigkeit, geſchweige zu einer Propaganda der mißver⸗ ſtandenen(?) Demokratie, ausarten laſſen dürfe, wenn er ſich nicht fortwährenden Unruhen ausſetzen will, darüber kann kein beſonnener


