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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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Profeſſor uns hineinträufeln wollte, ſo mußte doch auf Andringen ſeiner Claque darüber abgeſtimmt werden, welche Petition, ob die von mir befürwortete(Struve'ſche) Mannheimer oder die von Ka⸗ liſch datirende Carrière'ſche, angenommen werden ſolle.Mannheim! undCarrière! ſo tönte ſtürmiſch dasHie Welf! Hie Waib⸗ ling! durch den Buſch'ſchen Gartenſaal. Wir trennten uns in zwei Gruppen undMannheim, das entſchiedne Manneswort, hatte überCarrière, die äſthetiſch⸗zahme Phraſe, einen glänzenden Sieg gewonnen. Die radikale Partei behauptete das Terrain, auch unter Zuſtimmung der entſchiednen Majorität der anweſenden Bürgerſchaft. Und ſo war die Stimmung jener für mich unver⸗ geßlichen Tage überhaupt.

Wir paar republikaniſchen Studenten, die freilich nicht im Geringſten anmädchenhafter Schüchternheit litten, ſondern jeder⸗ zeit und überall keck das Wort ergriffen und die Maſſe, dasſou⸗ veräne Volk, wie wir es damals nannten, in unſrer Weiſe zu elektriſiren wußten, waren die Herren der Situation. Alle Pedellen und Polizeidiener, denen wir ſonſt die verdächtigſten Perſönlichkeiten waren, ſalutirten uns reſpectvollſt und namentlich die liebenswür⸗ digenBürgerinnen widmeten uns die huldvollſten Grüße. Ge⸗ bildete Damen, wenn ſie dem Impulſe ihrer Herzen folgen, ſind durchweg republikaniſch. Wir ſchwammen, wie die Fiſche im Waſſer, und in den erſten Tagen legten wir uns regelmäßig mit der Hoff⸗ nung zu Bette, nächſten Morgens eine Depeſche in der Zeitung zu leſen, wonach ſämmtliche Potentaten Deutſchlands nach England durchgebrannt ſeien. In dieſem Falle hatten wir als anſtändige Kerle beſchloſſen, ihnen zur Erſparung von Weitläufigkeiten ihr ganzes Privatvermögen ohne juriſtiſche Unterſuchungen über deſſen Urſprung ungeſchmälert zu garantiren. Welche naive Illuſionen! Nun, wir waren eben Studenten.

Unter der Redaction Auguſt Becker's, des weiland Demagogen der 30er Jahre, der gerade in Gießen ziemlich mittellos privat⸗ ſchriftſtellerte, gründeten wir eine radikaldemokratiſche Zeitung, woran außer ihm und mir haupſächlich die beiden Brüder Büchner mitarbeiteten. Der höchſt bizarre Titel, der zugleich auf die je⸗ weiligen geſtrigen und heutigen Nachrichten und auf das herein⸗ brechende politiſche Weltgericht hindeuten ſollte, lautete:Der iüngſte Tagd.() Es war das eine Marotte A. Beckers, und die mir ſtets grauenhafte, von ihm und dem ihm befreundeten Maler Gaſtauer gemeinſchaftlich componirte Vignette zeigte die Po⸗ ſaunen des wirklichenjüngſten Tags, verſchiedene Kanonenläufe und eine über dem deutſchen Reichsadler ausgeſtreckte kampfbereite Hand mit blankem Schwert. Das Blatt, in dem wir mit bur⸗ ſchikoſer, oft cyniſcher Rückſichtsloſigkeit gegen Alles, wasfaul

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