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bundespolizeilichen Verbots ruhig hätte hingehen laſſen, ſo würde das ſicher bald bekannt geworden ſein und unfehlbar eine Dis⸗ eiplinar⸗Unterſuchung, wenn nicht zeitweiſe Suspenſion, für ihn zur Folge gehabt haben. Der Herr Director, dem übrigens beſtimmt insgeheim das Herz im Leibe lachte, zog ſich aber mit beſter Miene aus dem böſen Spiele. Nachdem er, das Geſicht in ofſicielle Falten gelegt, inquirirt hatte, wo wir dieſes verbotene Büchlein eigentlich her hätten und wie viel Exemplare hierher gekommen ſeien, be⸗ kannten wir ohne ſonderliche Zerknirſchung die Wahrheit, und darauf wurde an demſelbigen Tage der ganze einzuliefernde Vor⸗ rath einfach pro patria confiscirt. Weiter krähte kein Hahn mehr nach der ganzen Geſchichte, und von Carcer blieben wir alle gnädigſt verſchont. Von da an aber haben wir den„alten George“ kein einziges Mal mehr mit verbotener Literatur in Verſuchung geführt.
Auf die weiteren Verdienſte unſres heuteabendlichen Schwieger⸗ vater⸗Jubelgreiſes brauche ich nur flüchtig hinzudeuten. Er zeigte ſich vor Allem als entſchiedner Vorkämpfer für das Recht der Gemeinde innerhalb unſrer proteſtantiſchen Kirche in Heſſen, für die endliche Einführung der längſt verſprochenen Presbyterial⸗ und Synodalverſaſſung, deren muſtergültiger Entwurf von ihm herrührt, und auf dieſem Gebiet habe ich in der Preſſe längere Zeit als treuer Schüler an der Seite meines verehrten Lehrers gekämpft. Und daran, daß er auch ein charaktervoller Volksvertreter war, der in gewiſſenhafter Vollziehung ſeines Mandats, obgleich Beamter, ſelbſt den Conflict mit der Staats⸗ regierung nicht ſcheute, indem er auf dem denkwürdigen Landtage von 1850 bedingungsweiſe die Steuern verweigern half, muß ich als unverbeſſerlicher Demokrat hier mit ganz beſondrer Anerkennung erinnern.(Ein köſtliches quid pro quo lag in dieſer Beziehung darin, daß ihm die Dienſtmagd Liesbeth eines ſeiner häufig beſuchten vertrauteren Freunde, die durch denſelben von dieſem parlamentariſchen Rebellions⸗Acte hatte reden hören, in der naiven Meinung, er habe damit einen neuen Amtstitel, wahrſchein⸗ lich auch mit erhöhter Beſoldung, erhalten, herzlich zu dem Avance⸗ ment mit den Worten glückwünſchte:„Empfehle mich Ihnen, Herr „Steuerverweigerer“ Ich gratulire Ihnen auch!“ O sancta sim- plicitas!)—


