XI
Verehrte Anweſende! Sie wiſſen wohl zur Genüge, daß ich nicht in dem Rufe ſtehe, aus äußeren Rückſichten Complimente zu machen oder überhaupt nur contre coeur zu reden. Weit eher gilt von mir das Gegentheil. Nun denn, noch niemals vielleicht ſind die Worte ſo ſehr aus innerſtem Drange meinem Herzen ent⸗ ſtrömt, als jetzt, indem ich mein Glas erhebe mit dem Rufe an Sie:
„Auf das Wohl Georg Thudichum's, des exemplariſchen Lehrers, des geiſtvollen, meines Erachtens unübertroffenen Ueber⸗ ſetzers des Sophokles, des pflichtgetreuen Volksvertreters, des Melanchthon’s unſrer proteſtantiſchen Kirchenreform⸗Bewegung in Heſſen, der ich von ganzem Herzen auch einen Luther dazu wünſchte, des treuen Vaters und Schwiegervaters und— ſo darf ich ohne Gefahr der Mißdeutung als ehemaliger Primus der Büdingener Ober⸗Prima mit vollſter Pietät eines dankbaren Schülers ſagen—:
Auf das Wohl des„alten George!“—


