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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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VIII

Ihre bleichen Larven alle ſendet mir Proſerpina!) und als embryoniſche Studentchen allerlei dreifarbige Poſamentirarbeiten unter den halb geöffneten Weſten trugen.

Um die Stellung eines Lehrers zu ſeinen Schülern zu cha⸗ racteriſiren, gibt es gewiß nichts Beſſeres, als das vertrauliche Prädikat, der ſogenannte Spitzname, den ihm die Schüler unter ſich ertheilen. Nun wohlan, er hieß ich darf ja nunaus der Schule plaudern unter uns vorzugsweiſeder alte George, und vor dem beſagten alten George, der nicht mit ſich ſpaſſen ließ, hatten wir bei aller Liebe doch gehörigen Reſpect. Gewiß konnte Nichts das pädagogiſche Familienverhältniß zwiſchen ihm und uns ſchlagender kennzeichnen, als dieſer vertrauliche nom de guerre. Seine wohlverdiente Popularität unter uns hatte nebenbei, wie ich nicht verſchweigen darf, zugleich einen ſtark politiſchen Bei⸗ geſchmack. Es ging unter uns Gymnaſiaſten die dunkle Sage, der alte George, von dem wir genau wußten, daß er ſ. Zt. als freiwilliger Jäger mit nach Frankreich gezogen, habe als Student entweder dem ſeligenTugendbund oder der damals nicht minder ſeligenBurſchenſchaft angehört, und darauf hin ſtand er bei uns in einem gewiſſen, ſo zu ſagen, ſchwarzrothgoldnen Geruche. Bei den WortenTugendbund und namentlichBurſchenſchaft, die für uns Alle etwas Vehmgerichtliches hatten, dachten wir naive Jungen an einen geheimnißvoll vermummten deutſchen Carbonari⸗ Club von lauter modernen Brutuſſen mit blankgeſchliffenen Dolchen, welche unter Anrufung der droits de l'homme auf irgend einen Todtenſchädel feierlich geſchworen hatten, Jeder mindeſtens einen Tyrannen ſouverän oder mediatiſirt, pro patria, wie Sand den Kotzebue, umzubringen und dann, ganz oder halb gebraten, zum Frühſtück zu verzehren. Und Das verbreitete in unſern Augen um des Directors Haupt einen politiſchen Heiligenſchein. Ob er nun wirklich einengelieferten Tyrannen auf dem Gewiſſen hatte, das war uns freilich zweifelhaft. Aber wir dachten mit dem alten von uns überſetzten Verſe: ut desint vires,(oder auch occasiones), tamen est laudanda voluntas! Und von ſeiner patriotiſchen voluntas, der höchſtens die paſſende Gelegenheit für einen mo⸗ dernen Harmodius oder Ariſtogiton gefehlt haben konnte, waren wir Alle feſt überzeugt. Sie glauben nicht, verehrte Anweſende,