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Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können / von Immanuel Kant
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fern er richtig urtheilt. Und was iſt nun der gemeine Verſtand? Er iſt das Vermoͤgen der Erkentnis und des Gebrauchs der Regeln in concreto, zum Unterſchiede des ſpeculativen Verſtandes, welcher ein Vermoͤgen der Erkentnis der Regeln in abſtracto iſt. So wird der ge⸗ meine Verſtand die Regel: daß alles, was geſchieht, ver⸗ mittelſt ſeiner Urſache beſtimmt ſey, kaum verſtehen, nie⸗ mals aber ſo im allgemeinen einſehen koͤnnen. Er fordert daher ein Beiſpiel aus Erfahrung, und, wenn er hoͤrt, daß dieſes nichts anders bedeute, als was er jederzeit ge dacht hat, wenn ihm eine Fenſterſcheibe zerbrochen oder ein Hausrath verſchwunden war, ſo verſteht er den Grund⸗ ſatz und raͤumt ihn auch ein. Gemeiner Verſtand hat 1 alſo weiter keinen Gebrauch, als ſo fern er ſeine Regeln (obgleich dieſelben ihm wirklich a priori beywohnen) in der Erfahrung beſtaͤtigt ſehen kan, mithin ſie a priori, und unabhaͤngig von der Erfahrung einzuſehen, gehoͤrt vor den ſpeculativen Verſtand, und liegt ganz auſſer dem Geſichtscreiſe des gemeinen Verſtandes. Metaphyſik hat es ja aber lediglich mit der letzteren Art Erkentnis zu thun, und es iſt gewiß ein ſchlechtes Zeichen eines geſunden Ver⸗ ſtandes, ſich auf jenen Gewaͤhrsmann zu berufen, der hier gar kein Urtheil hat, und den man ſonſt wohl nur uͤber die Achſel anſieht, auſſer, wenn man ſich im Ge⸗ draͤnge ſieht, und ſich in ſeiner Speculation weder zu ra⸗ then, noch zu helfen weiß.

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