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Das buch von der Tugent und Weißheit, nemlich Neunundviertzig Fabeln, der mehrer theil auß Esopo gezogen unnd mit guten Rheimen verkleret Durch Erasmum Alberum Allen stenden nuetzlich zulesen
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Von Eſopus leben.

das Eſopus nicht vnuerſtendig ſein muſte. Er war aber ſehr dienſthafftig/ warzu man ihn brauchen wolte/ da warer geſchickt zu.

Es begab ſich aber auff ein zeit/ das Fanthus hinauß auff den Krautmarckt ſpatzieren gieng/ vnd Eſopus folgt jhm nach. Da ſprach jhn ein Gaͤrtner an. Lieber herr Magiſter/ jr ſeidt ein gelerter Mañ/ ich bitt euch/ jhr woͤllet mirs nit fuͤr vbel nemen/ das ich euch etwas frage. Ich hab mich offt verwundert wie es kom̃e/ das die Kreuter/ die von ſich ſeibſt wach ſen/ ſo groß werden/ vnd leichtlich zunemen: Die man aber mit groſſer muͤhe vnd fleiß ſaͤet/ ſetzt oder pflantzt/ die werden nicht ſo groß/ vnd nemen nicht ſo wol zu/ Etliche gehen auch kaum auff/ ob ſie ſchon auffgehn/ ſo nemen ſie doch leichtlich ein ſtoß. Nanthus wuſt darauff nichts ſonderlichs zu antwor e/ ſonder ſprach/ es geſchicht alſo durch Gottes oꝛd nung. Dieſer antwort lacht Eſopus/ Da ward Xan thus zornig/ ſprach zu jm/ Wes lachſt du Lecker⸗ Da nam jhn Eſopus bey ſeit/ vnd ſagt/ Lieber herr/ ich lach ewr zwar nit/ ſonder ewrs meiſters/ der euch ſolch tolle antwort zugebẽ gelert hat/ Dañ wer weiß das nit/ das alle ding durch Gottes ordnung geſche hen? Auß der Philoſophi vnd natuͤrlichen kunſt ſolt jr antworten/ Befehlt mir dem Gaͤrtner antwort zu geben/ ich will jhm die frag wol auffloͤſen/ in dem na men/ als habt jr mirs befohln/ auff das er euch nicht fuͤr vngelert halt.

Panthus ſahe den Gaͤrtner wider an/ ſagt

zu jhm/ Da hab ich ein ſtudentẽ/ der ſoll dir die frag

wol