früne und spätreifende Stachelbeeren. Bei geringen Unterschieden ist es oft sehr schwer, den Reifepunkt einer Sorte richtig zu bestimmen, da derselbe von vielen Einflüssen abhängig ist, von der Verschiedenheit des Standortes, vom Alter der Pflanze, vom Wachstumszustand des Strauches, von Verschiedenheiten der Witterung u. a. m.
Das Wachstum der Früchte mancher Sorten ist in gewissen Zeiträumen ihrer Entwickelung ein langsames oder rascheres und hat besonders in der Zeit bald nach der Befruchtung eine praktische Bedeutung. Es gibt nämlich Sorten, deren Früchte nach dem Abblühen sehr rasch wachsen und uns die ersten Erträge im Jahre zur wirtschaftlichen Verwertung liefern, während andere diese Eigenschaft nicht besitzen. Es würde auch ein falscher Schluß sein, wenn man dächte, daß frühreifende Sorten sich auch früh zum Grünpflücken eigneten. Unter den zu letzterem Zweck am besten geeigneten Sorten sind besonders zu nennen: Rote Triumphbeere, Weiße Triumph- beere, Grüne Riesenbeere u. s. w.
Dasjenige Moment aber, welches am meisten zur Hebung der Stachelbeerkultur beigetragen hat, ist ohne Zweifel die im Laufe der Zeit stattgefundene Zunahme der Größe ihrer Beeren. Jeder wollte die größtfrüchtige Stachelbeere haben. Während die Früchte der wildwachsenden Formen etwa 0,5— 1 gr wiegen, wurden 1852 auf den seit Ende des 18. Jahrhunderts in England stattfindenden Stachelbeerausstellungen Früchte der Sorte„London“ von 57,8 gr Schwere vor- geführt. Ich glaube übrigens, daß das Größenverhältnis zwischen den Früchten des Wildapfels und dem vieler Ramboure sich ebenso, vielleicht in noch höherem Maße steigend verhält, wie bei der wilden und der Kulturstachelbeere. Aus der in Gooseberry growers Register— den Wiegeprotokollen der englischen Stachelbeerausstellungen— von 1809— 1904 veröffentlichten Gewichtstafel geht hervor, daß im Jahre 1817 schon ein Gewicht von 41,40 gr erreicht war, daß man aber bis 1825 einen Fortschritt nicht verzeichnen konnte, während 1830 die Sorte Teazer in einem Gewicht von 50,5 gr. ausgestellt wurde. Natürlich wandten die Engländer alle erdenklichen Kulturmittel an, um Früchte von dieser ausserordentlichen Größe zu züchten. Vor allen Dingen ließen sie immer nur wenige Beeren an einem Strauch, düngten sehr stark und wässerten zweckmäßig, hefteten die Fruchtzweige entsprechend an, ja sie führten den einzelnen Früchten direkt Feuchtigkeit zu. Fortgesetzte Zuchtwahl von Sämlingen, welche zeigten, daß sie Früchte von außerordentlicher Größe lieferten, führte nach und nach zu Fortschritten auf diesem Gebiete. Indes vor mehreren Jahren schrieb mir der bisherige Herausgeber der Gooseberry growers Register, Eduard Foulds, Ringley Yorkshire, daß er von der Weiterherausgabe der Register wegen Mangel an Interesse weiterer Kreise Abstand nehmen müsse. So scheint diese interessante Beobachtungs- tabelle abgeschlossen zu sein, die einzige in ihrer Art, die dem englischen Gartenbau durch die lange Dauer ihrer Durchführung zur Ehre gereicht hat. Nun werden wohl allmählich wieder die kleinfrüchtigen Sorten mit ihrem feinen Himbeer- und Aprikosenaroma und ihrer kostbaren Süßig- keit mehr in den Vordergrund treten und in unseren Stachelbeergärten von neuem Verbrei- tung finden.
Das Fruchtfleisch der rotfrüchtigen Sorten ist meist rot, bei einigen auch rotgelb unter der Schale,(Rote Eibeere, Sämling von Maurer etc.) oder auch farblos, z. B. Red Champagne, Red Warrington etc.
Jede Stachelbeerfrucht ist auf den Hauptadern meist reihenweise mit kleinen Punkten— den Atmungsflecken— versehen, nur selten sind sie zwischen diesen einzelnen verteilt. Jeder Atmungs- fleck zeigt eine Spaltöffnung, die zum Gasaustausch zwischen Beere und Luft dient. Der größte Teil der Atmungsflecken findet sich am Stiel, am Kelch in geringerer Zahl. Nach ihrem Außeren unterscheidet man große und kleine, nach ihrer Farbe hellgraue, silbergraue und weiße Atmungs- flecken. An den rotfrüchtigen Sorten sind sie, meist mit einem rosafarbenen Hof umgeben, am deutlichsten wahrzunehmen; bei den grünen, gelben und weißfrüchtigen Sorten ist dieser Hof meist grün. Der Stiel der Stachelbeerfrucht besteht aus zwei Teilen: dem„Stielchen“, welches den meist etwas fleischigen Fortsatz der Frucht bildet und dem Blütenstiel—„Stiel“. Das erstere fällt mit der reifen Frucht ab, während der Stiel unter Umständen mehrere Jahre am


