Die Stachelbeeren.
Die Sortenmerkmale der Stachelbeeren.
Zum besseren Verständnis der nachstehenden Stachelbeerbeschreibungen habe ich es für nützlich gehalten, denselben einige allgemeine Bemerkungen über die Eigenschaften des Stachelbeer- strauches und der Stachelbeerfrucht vorauszuschicken.
Es wird allgemein angenommen, daß die Stachelbeere unserer Gärten von der vielfach wild wachsenden Art Ribes Grossularia L., welche in Mittel- und Nordeuropa heimisch ist, abstamme. Seit etwa 40 Jahren ist noch eine amerikanische Art Ribes Cynorbati L. hinzugetreten, welche uns in einer Kreuzung mit R. Grossularia L. eine kleinfrüchtige, wertwolle Sorte„Mountain seedling,“ die amerikanische Gebirgsstachelbeere, geliefert hat.
Die Kulturformen des Stachelbeerstrauches sind ungemein zahlreich. Es gibt Stachelbeer- sorten, welche sich nachweislich über 100 Jahre in Kultur befinden, mit meist sehr guten Früchten und kräftigem Wuchs. Die deutschen Pomologen haben sämtliche Sorten in vier Hauptfarben- klassen eingeteilt und zwar: mit roten, grünen, gelben und weißen Beeren.
Die Engländer dagegen, die Meister der Stachelbeerkultur, haben die Stachelbeeren nach der Größe ihrer Frucht in zwei Abteilungen geteilt:
1. in die„alten englischen“(kleinfrüchtigen) Sorten, mit meist aufrecht wachsenden Sträuchern und süßen oder aromatischen Beeren und
2. in die„Lancashire-Sorten“ mit meist großen Früchten und abstehenden bezw. über- hängenden Zweigen.
Die kleinfrüchtigen werden von manchem noch heute irrtümlich„Deutsche Stachelbeeren“ genannt.
Die Klasse der rotfrüchtigen Sorten ist die zahlreichste. Im Pansner, Lindley, Hogg und im llust. Handbuch sind sämtliche 4 Sortenklassen in folgender Anzahl beschrieben: 3004 rot, 925 grün, 675 gelb und 280 weiß.
Außer der Farbe kann auch die Form der Beere als ein ziemlich sicheres Sortenmerkmal betrachtet werden. Es handelt sich hauptsächlich um runde, rundliche und länglichrunde Beeren; daß zwischen diesen Hauptformen noch zahlreiche Abweichungen vorhanden sind, ist selbstredend.
Auch die Behaarung der Beeren ist als eine sehr wechselnde Eigenschaft zu betrachten. Die Behaarung ist drüsenborstig, flaumig oder fast gänzlich fehlend; sie ist abhängig vom Alter und Standort der Pflanzen.
Endlich kann die Form des Kelches zur Reifezeit der Beere ebenfalls zur Bestimmung der Sorten mit benutzt werden, wovon mich vieljährige, tausendfältige Beobachtungen überzeugt haben. Der Kelch der Stachelbeerfrucht ist entweder geschlossen oder zurückgeschlagen, halb- offen oder unvollständig. Bei den Beobachtungen des Kelches muß freilich der richtige Zeitpunk eingehalten werden, vor allem darf man nicht zu spät damit beginnen, weil sonst eine große Zahl der Kelche unvollständig ist.
Die Reifezeit der Beeren, welche zwischen vier und fünf Wochen dauert, kann als ein zu— verlässiges Unterschéidungsmerkmal der Sorten betrachtet werden; man unterscheidet frühe, mittel-


