Strauch festhält. Das Längenverhältnis beider ist meist gleich; nur bei manchen Sorten ist es eigentümlich verschieden.
Große Unterschiede zeigen auch die Wachstumseigenschaften der Sträucher der einzelnen Sorten. Ihr Astwerk ist stark oder schwach, baut sich entweder aufrecht oder sich ausbreitend oder überhängend auf, was besonders bei der Großkultur sehr zu beachten ist, weil die letzteren Arten die Bodenbearbeitung ungemein erschweren bezw. unmöglich machen.
Der Austrieb der Sträucher erfolgt zu verschiedenen Zeiten, früher und später. Die frühest- treibende Sorte ist Minima, während spättreibende Sorten Grüne Riesenbeere, Brown girl u. s. w. sind.
Die Blätter der Langtriebe sind einander bis auf die Lappen(3- bis 5 lappig) und die Grund- linien(abgestutzt bis herzförmig) ähnlich; die Blätter der Kurztriebe sind abgerundet. Die ersteren unterscheiden sich oft sehr charakteristisch durch die flaumige Behaarung ihrer Oberseite; be- sonders häufig findet sich diese bei den kleinfrüchtigen Sorten; für manche derselben ist die Be- haarung ein sicheres Sortenmerkmal.
Mannigfaltig sind auch die Stacheln der Langtriebe. Die Verschiedenheit ihrer Länge wech- selt zwischen 2— 15 mm. Sie sind einfach und 2- und 3teilig. Nach 4—5 Jahren fallen sie meist ab. Ich halte nach jahrelangen Beobachtungen die Eigenschaften der Stacheln für sehr beständig und zuverlässig.
Die Rinde der Zweige ist meist kahl, nur bei einer geringen Zahl, besonders kleinfrüchtiger Sorten, ist sie staubig behaart.
Ein größeres Stachelbeersortiment läßt sich nur mit großer Aufmerksamkeit auf die Dauer vollständig erhalten, und es muß stets für rechtzeitige Nachzucht der etwa abgängig werdenden Stöcke gesorgt werden. Zum möglichst wirksamen Schutz gegen Sortenverluste habe ich mit Erfolg stets ein Doppelsortiment erhalten.
Wie bedeutend beispielsweise der Sortenverlust auch im Großen sein kann, beweist die Tatsache, daß jetzt, nachdem die großfrüchtigen, englischen Sorten Anfang des vergangenen Jahrhunderts Eingang gefunden haben, aus unseren Stachelbeergärten die früher die Mehrzahl der Bestände bildenden süßen, kleinfrüchtigen Sorten fast gänzlich verschwunden sind. Auch wird man bei einer Durchsicht des Christ'schen Stachelbeersortiments vom Jahre 1793 finden, daß viele Sorten, welche damals verbreitet waren, heute nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt
sind. Und wie viele Pansnersche Sorten existieren schon lange nicht mehr. L. Maurer.


