Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
Seite
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Ord.⸗Zahl.

Gemeinde

Typiſcher Character der Erhebungsgemeinde.

Urtheil der Commiſſion über die Geſammtlage der Landwirthſchaft in der Gemeinde und Haupturſachen der nicht befriedigenden Zuſtände.

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Schwanheim.

Unter⸗Schön⸗ mattenwag.

chend von anderen Gemeinden als Hauptproductionsrichtung die Maſt im Vordergrund, während die Milchproduction in zweite Linie zurücktritt. Die Beſitzvertheilung iſt eine günſtige und der Bodenpreis wechſelt bei Ackerland in den 5 Claſſen zwiſchen 1800 und 4800 Mk. pro Hectar.

Typiſch für Gemeinden zwi⸗ ſchen der Bergſtraße und dem Rhein, in der Ebene, mit einem Schwemmlandboden, der vorwiegend zum Thonboden gehört, zum Theil auch aus ſandigem Lehm⸗ und lehmigem Sandboden beſteht; Lu⸗ zerne und Rothklee fähig. Die klimatiſchen Verhältniſſe und ebenſo die wirthſchaftlichen ſind günſtig. Ein Uebelſtand iſt, daß der Beſitz der meiſten Landwirthe nur zum Theil in der Gemarkung Schwanheim, zum andern Theil in mehr oder weniger entferntliegenden anderen Gemarkungen liegt.

Typiſch für eine Anzahl Gemeinden des ſüdlichen, ſüd⸗ öſtlichen und ſüdweſtlichen Odenwaldes, ohne ausgepräg⸗ ten Bauernſtand, mit zahl⸗ reichen Wieſen bei relativ ſtarkem Waldbeſitz(Eichenſchäl⸗ wald) und einer ſtarken Haus⸗ induſtrie, welche hauptſächlich in der Beſenbinderei und der gewerbsmäßigen Anfertigung

macht heute noch wirthſchaftliche Fortſchritte mit Geldüberſchüſſen bei Wenn die Rentabilität der Güter noch nicht durchweg befriedigend iſt, ſo ſind

ſehr guter Lebensweiſe.

daran die Zerſplitterung der Grund⸗ ſtücke, der zu koſtſpielige Kredit und die zu wenig intenſive Bewirth⸗ ſchaftung ſchuld. Eine beſſere Bahn⸗ verbindung erſcheint wünſchenswerth.

Die Geſammtlage iſt als eine ſehr

günſtige zu bezeichnen und die Ver⸗

ſchuldung iſt eine geringe, die rela⸗

tiv mit der Größe des Beſitzes ab:

nimmt.

Der Schuldenſtand datirt

größtentheils aus älterer Zeit und

wird ſogar auf die zwanziger Jahre zurückgeführt, während derſelbe in den letzten Jahren nicht zu⸗ ſondern abgenommen hat. Wenn die Renta⸗ bilität nicht befriedigend erſcheint, ſo ſind die Urſachen dafür hauptſäch⸗ lich in dem überſpannten Bodenpreiſe und in der mangelhaften Viehwirth⸗ ſchaft zu ſuchen. Der Commiſſär ſpricht ſein Urtheil hierzu dahin aus, daß die wirthſchaftl. Verhältniſſe eines großen Theils der Beſitzer nicht hin⸗ reichend gut fundirt ſind, um Er⸗ ſchütterungen ohne Gefahr ertragen zu können.

Die Geſammtlage iſt keine erfreu⸗

liche. Das vorhandene land⸗ und

forſtwirthſchaftliche Areal bietet den zahlreichen Arbeits⸗ kräften keinen ausgiebigen Verdienſt, 93 pCt. der Bevölkerung iſt auf Nebenverdienſt angewieſen und auch

vorhandenen

für dieſe ſchwindet allmählich die

Exiſtenzbaſis, ſo daß die Auswan⸗ derung ſpäter oder früher in um⸗ fangreicherem Maßſtabe nothwendig