Mangel an Produc⸗ tions⸗ material.
—(A.
zu ſorgen. Eine weſentliche Unterſtützung in dieſer Richtung bringt die Rübenzucker⸗ induſtrie mit ſich, da der Zuckerrübenbau unbedingt die Anwendung von guten Ge⸗ räthen und Maſchinen erfordert.
Noch mehr Erfolg als die Vermehrung des toten Inventars dürfte wohl die Vermehrung des umlaufenden Betriebskapitals für die Hebung der Rentabilität der landwirthſchaftlichen Betriebe verſprechen.
Die Dünge⸗ und Futtermittel enthalten das Productionsmaterial für den Acker⸗ bau und die Viehhaltung, d. h. das Rohmaterial zur Production von Pflanzen⸗ und Thierſtoffen und die Menge der letztgenannten Stoffe, welche in einem landwirth⸗ ſchaftlichen Betriebe erzeugt werden können, iſt unmittelbar abhängig von der Menge der verwendeten Dünge⸗ und Futtermittel. Da die ſog. Generalunkoſten einer Wirthſchaft, d. h. die unvermeidlichen Opfer für Kapitalzinſen, Steuern, Arbeitslöhne ꝛc. dieſelben bleiben, ob viel oder wenig von einer Fläche Landes gewonnen wird, ſo iſt es klar, daß die Verwendung einer relativ großen Menge von Productionsmaterial, vorausgeſetzt, daß die Verwendung rationell geſchieht, die Productionskoſten der Gewichtseinheit billiger geſtal⸗ ten muß und eben darin liegt das Weſen der intenſiven Wirthſchaft und das Geheimniß unſerer Zeit, Kapitalzinſen einzuheimſen. Es geht hier ganz genau ebenſo wie in jeder Fabrik, die trotz der ſchönſten Gebäude und Einrichtungen keinen Gewinn bringt, wenn ſie ſparſam in der Verwendung von Rohmaterial iſt. Wenn man in den Erhebungs⸗ berichten die geringen Mengen von Kunſtdünger und Kraftfutter lieſt, die in der Mehrzahl der Fälle zur Anwendung kommen, ſo kann man nicht einen Augenblick im Zweifel darüber ſein, daß in dieſer Beziehung ſeitens der Landwirthe noch viel zu wenig geſchieht, ja man muß ſich öfters fragen, ob denn die Erhebungsgemeinden von denen die Rede iſt, in dem Lande liegen, in welchem die Erfolge der landwirth⸗ ſchaftlichen Conſumvereine zu einer ſo anerkannten Berühmtheit gelangt ſind, und man kommt zu der Ueberzeugung, daß dieſen Conſumvereinen auch in Heſſen noch ſehr viel zu thun übrig bleibt. Gerade in dieſem Augenblick wird der Landwirthſchaft durch neue Erfindungen die Phosphorſäure zu ſo außerordentlich billigem Preiſe geboten, und auch für den Stickſtoff ſtehen in nächſter Zeit ſo äußerſt billige Quellen in Ausſicht, daß an die Landwirthe die Aufforderung dringend herantritt, ſich dieſer Productionsmittel in ausgiebigſtem Maße zu bedienen. Wer dieſe Vor⸗ theile, die der Augenblick gewährt, nicht für ſich ausnutzt, kann unmöglich den Kampf glücklich beſtehen, den die Entwickelung des wirthſchaftlichen Lebens und der durch keine Maßregel abwendbare neu entſtandene Weltmarkt der Producte mit ſich bringt. Es iſt einmal die Aufgabe des Erwerbslebens, mit den möglichſt geringſten Opfern die denkbar werthvollſte Production zu erzielen, und derjenige Landwirth der nicht die nöthigen Mittel beſitzt, um die Opfer zu bringen, welche das von ihm bewirth⸗ ſchaftete Objekt zur denkbar höchſten Production verlangt, muß den Umfang ſeiner Unternehmung einſchränken, um dieſe unentbehrlichen Mittel für ſein Betriebskapital zu gewinnen, d. h. er muß Boden verkaufen, hauptſächlich um Dünge⸗ und Futter⸗ mittel kaufen zu können.


