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Die Wolluſt nicht, die auch der Poͤbel kennet; Der viehiſch raſ't, nicht ſich vernuͤnftig freut; Von Lieb und Wein, umkraͤnzt mit Epheu, brennet, Und Lieb und Wein durch Uebermaaß entweiht! Nein! die zugleich Natur und Weisheit preiſen; Der Weisheit Kind, die Koͤniginn der Weiſen!
Ich ſehe ſie, und Morgenroſen ſchmuͤcken Ddiie heitre Stirn und glaͤnzen um ihr Haupt; Wie ruhig ſtralt aus ihren ſuͤßen Blicken Die reine Luſt, die kein Verhaͤngniß raubt! Durch ſie wird ſelbſt Lycaus zahm gemachet, Die hinter ihr mit einer Muſe lachet.
Die Freude ſchwingt um ſie die guͤldnen Fluͤgel Zu aller Zeit, auch wann das Gluͤck entflieht. So oͤde ſcheint kein duͤrrverbrannter Huͤgel, Vo nicht fuͤr ſie noch manche Blume bluͤht: Und rings umher ſchwatzt unter Laub und Zweigen Ein ſanfter Weſt und rauhe Stuͤrme ſchweigen.
Wie ſollte dir nicht alles dienen müſſen, Du, die allein die Sterblichen begluͤckt! Gefeſſelt liegt, o Goͤttinn, dir zu Fuͤßen Der bleiche Gram, der ſchwache Seelen druͤckt. Du baͤndigeſt die hungrigen Begierden, Die ohne dich verderblich herrſchen wuͤrden.
Wie wann der Suͤd ſein ſchwarz Gefieder ſchuͤttert, Und auf der See ſich als Tyrann erhebt: Der Ocean bis an den Grund erzittert, Und weiß beſchaͤumt hoch in die Luͤfte ſtrebt; Indem kein Stern die bange Nacht erheitert, Verirret ſich das kranke Schiff und ſcheitert:
So wuͤthen auch die zuͤgelloſen Triebe, Die uns Natur mitleidig eingeſenkt. Sie brechen los; und Recht und Menſchenliebe,
Was heilig iſt, wird unbereut gekraͤnkt
Nicht ungeſtraft! der Frevelthaten Menge Beſtraft in uns ein Richter voller Strenge.
Die Furien, in deren blut'gen Haͤnden M Stets fuͤrchterlich die Donnerpeitſche brauſt, Verfolgen ihn, wenn zwiſchen Marmorwaͤnden Der Luͤſte Sklav erraubtes Gut verſchmauſt; Sein Aug entſchlaft: ſein wachſendes Gewiſſen Stoͤrt ſeinen Schlaf mit gelber Nattern Biſſen.
Unſelig Gluͤck! o ungeliebtes Leben! Dergleichen Quaal bezahlt kein Schatz der Welt. Der Weiſe muß nach aͤchten Freuden ſtreben,
Die Klugheit würzt und Reue nicht vergallt. Bin ich geſund am Leib und am Gemuͤthe; So dank ich froh des Himmels milder Guͤte.
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Da die Natur nur weniges verlangt!
Ich werde ſatt und kann mit Freuden lachen,
Obgleich mein Tiſch nicht fuͤrſtenmaͤßig prangt. Muß edler Wein, den Blut und Seele fuͤhlen,
Den eklen Durſt allein aus Golde kuͤhlen?
Wie thoͤricht iſts, ſich vieles noͤthig machen,
Gold giebt das Gluͤck, und giebt es auch den Thoren: Die Weisheit lehrt auch ſchimmernd Gold verſchmaͤhn Und froͤhlich ſeyn, wann die das Gluͤck erkohren, Sich unvergnuͤgt in ſeinem Schooße blaͤhn.
Das wahre Gluͤck iſt nicht was Thoren meynen: Sey in der That, was tauſend andre ſcheinen.
b Reichardts Oden und Lieder.
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