168 Der Neubau der Universitätsbibliothek zu Gieſsen
ein Raum als Heizerwohnung, ein anderer als Dienerkammer fertig- gestellt wurde.
Das Bücherhaus— wir haben hier in Gieſsen von der Verwendung der üblichen Bezeichnung„Magazin“ und„Speicher“ geglaubt absehen zu sollen— setzt sich aus dem Kellerraum, einem Erdgeschosse von 2,05 m lichter Höhe, sechs Geschossen von 2,30 m lichter Höhe ¹) und einem Mansardengeschoſs zusammen, das zum Schutze gegen etwaigen Durchschlag mit einem in besonders starker Monier-Konstruktion aus- geführten Fuſsboden versehen ist. Mit dem Verwaltungsbau steht das Bücherhaus im vierten Geschofs sowohl durch das Katalogzimmer, als durch den Ausleiheraum in unmittelbarer Verbindung, im Erdgeschosse durch den Packraum, aufserdem noch durch die später zu erwähnende Nottreppe. Alle zum Bücherhause führenden Türen sind mit Eisen- blechbeschlag feuersicher hergestellt.— Mit Rücksicht auf die günstigen Lichtverhältnisse konnte dem 27,33 m langen Bücherhause die be- trächtliche Breite von 17,56 m i. L. gegeben werden. Davon entfallen 2,15 m auf den Mittelgang und je 0,66 m auf die beiden Seitengänge. Neben den nur 5 cm starken Monier-Zwischendecken des Bücherraums sind entlang den Längswänden in einer Breite von 0,66 m Eisenroste in erster Linie zum Ausgleich der Luftheizung, aber auch zur Ver- stärkung des Lichteinfalls, angeordnet. Zur Erleichterung der Luft- zirkulation sind ferner unter den Gestellen in den Zwischendecken Schlitze von einer Breite von 65 cm freigelassen, durch die zugleich den auf den obersten Brettern der einzelnen Geschosse stehenden Büchern ein grölſserer, in das nächsthöhere Geschoſs hineinreichender Stellraum zur Verfügung gestellt wird.
Das für die Büchergestelle gewählte Lipmansche System ermög- licht die Verstellung der Buchbretter bis auf einen Abstand von 1 cm. Das unterste Buchbrett ist fest(im lichten Abstand von 6 cm vom Fuſsboden); darunter ist den Bodenschlitzen eine schmale Scheuerleiste vorgelegt. Sämtliche Buchbretter haben eine einheitliche Länge von 1 m und eine Dicke von 2 cm, die Oktavbretter eine Breite von 21 cm, die Foliobretter und untersten festen Buchbretter eine solche von 31 cm erhalten. Der oberste Teil der Gestelle konnte fast durchweg für die spätere Einhängung eines weiteren Buchbretts freigelassen werden. Der Abstand der Achsen der Doppelgestelle beträgt in unserem Bücherbau nur 1,90 m, also beträchtlich weniger als bei den in neuester Zeit aufgeführten Bibliotheksbauten. Die hierdurch erheblich schmäler gewordenen Zwischengänge zwischen den einzelnen Doppelgestellen (ea. 1,18 m) haben sich in der Praxis sowohl hinsichtlich der Belichtung, als auch für den Verkehr der Bücherwagen durchaus als ausreichend erwiesen. Angesichts der geringen Breite und Tiefe der Fensterpfeiler konnte ferner die Aufstellung der Doppelgestelle, ohne die Belichtung zu gefährden, in der Weise erfolgen, daſs die Gestelle abwechselnd
1) Die Verschiedenheit der Geschoſshöhen ergab sich aus der Notwendig-
keit, eine direkte Verbindung des Bücherhauses mit dem Obergeschoſs des Verwaltungsbaus und dem Packraum zu ermöglichen. 8 8


