w(29) ℳ Abſchieds⸗Predigt, und kam alsdenn mit den Seinigen den 27. April gluͤck⸗ lich allhier an. Nachdem er allhier ein wenig ſich erhohlet, ſo that er am Sonntag Cantate bey einer ausnehmend zahlreichen Verſammlung, uͤber das gewoͤhnliche Evangelium Joh. 16, v. 5⸗ 15. ſeine Antrits⸗Predigt, und handelte darinnen: Von dem getroſten Muthe eines Evange⸗ liſchen Lehrers bey dem Antrit ſeines Amtes in einer groſſen Stadt, als eine herrliche Frucht des Hingangs Chriſti zu ſeinem Vater. Sein herzlicher Wunſch war laut ſeiner eigenen vorgeſchriebenen Worten: „Der barmherzige Heyland laſſe mich die himmliſchen Fruͤchten ſeines troͤſt⸗ „lichen Hingangs zu ſeinem Vater in Zeit und Ewigkeit genieſſen! Erſtaͤr⸗ „ſcke mich durch ſeine Gnade in meiner Schwachheit, damit ich das ſchwere „Amt welches er mir allhier anvertrauet hat, zur Verherrlichung des goͤttli, „chen Namens, zum Heyl vieler Seelen, und zu meiner eigenen Seligkeit, „ verwalten moͤge!“ Wie er hiermit die redliche Geſinnung und Abſicht ſeines Herzens genugſam zu erkennen giebt, ſo erhellet ſelbige auch aus der
Predigt, die in dem Druck erſchienen ſelbſten. Mit allgemeinem Beyfall ward
dieſe ſeine erſte Predigt aufgenommen. Und wie konnte dieſes bey den vor⸗ zuͤglichſten Gaben zum Lehr⸗Amt anders ſeyn? Selbſt ſein aͤuſeres Anſehen mußte die Gemuͤther ſchon vor ihn einnehmen. Seine wohlgebildete Geſtalt, ſtarcke Stimme, die er gar nicht anzugreifen noͤthig hatte, ſein ſlieſſender und deutlicher Vortrag, erworben ihm ſogleich alles Vertrauen. Der Haupt⸗ Inhalt ſeiner Predigten, welche er bey die eilf Jahre allhier gehalten, war IEſus der gekreutzigte, wie er uns von GOtt gemacht iſt zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erloͤſung. Die Sprache des Herzens welche er vielfaͤltig redete, hatte bey den Zuhoͤrern allen Ein⸗ gang. Geſchahe es auch daß er manchmal ſolche Wahrheiten vortrug wel⸗ che mehr die Erk nntniß als die Ausuͤbung betrafe, ſo ſuchte er ſie doch alle⸗ zeit erbaulich zu machen. Seine Gedancken waren, daß ein Prediger den ganzen Rath GOttes unſerer Seligkeit verkuͤndigen muͤſſe. Zu dem Ende predigte er in drey verſchiedenen Jahren uͤber die Evangeliſche Glaubens⸗ Sitten, und Troſt⸗Lehren, Geſchahe es dahero auch mehrmalen, daß er
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