Druckschrift 
Die Verbindlichkeit wahrer Christen, nach dem Muster Jesu, ihren Willem dem Göttlichen Willen zu unterwerfen : Wurde als ... Herr Johann Jacob Plitt ... am 5ten April 1773. durch einen seligen Tod diese Welt verlassen ... vorgestellet / von Johann Jacob Willemer ..
Seite
7
Einzelbild herunterladen

W(7)

Tage, in einer Woche, in einem Jahre, in Gedanken, Worken und Wer⸗ ken fuͤr Suͤnden begeht, wenn wir ſetzen, daß ein Menſch nur funfzig oder ſiebenzig Jahr lebe, was fuͤr eine ungeheure Menge von Suͤnden kommen bey einem einigen Menſchen heraus. Nehmen wir nun diejeni⸗ gen Menſchen, die ſchon gelebt haben, die noch leben, und bis an das Ende der Welt leben werden, wie viele Millionen von Suͤnden kommen da heraus: und dieſe unzaͤhlbare Menge von Suͤnden ſollte JEſus auf ſich nehmen, und dafuͤr buͤſſen. War es daher wohl Wunder, daß er ſagte: Meine Seele iſt betrͤbt bis in den Tod.

Hieraus erkennen wir nun, was unter dem goͤttlichen Willen ver⸗ ſtanden werde. Eigentlich hat in GOtt nur Ein Wille ſtatt, er wird aber verſchieden abgetheilet in Abſicht auf uns Menſchen. Man kann ihn eintheilen in den geoffenbahrten Willen GOttes: GOtt hat uns zwar ſchon ſeinen Willen ins Herz geſchrieben. So weiß ein jeder Menſch von Natur, was recht, was unrecht, was gut, was boͤs ſey. Um den Menſchen aber alle Entſchuldigung zu benehmen, hat er uns ſei⸗ nen Willen in ſeinem Worte ſchriftlich geoffenbahret. In demſelben hat er uns ſeinen ganzen Rathſchluß von unſerer Seligkeit zu erkennen gege⸗ ben, und gelehret, wie wir wandeln ſollen wuͤrdiglich zu erlangen das ewige Leben. Der Wille GOttes wird auch noch eingetheilt in ſeinen verborgenen Willen, der hat ſeinen Grund in der Freyheit der Men⸗ ſchen. Er heiſſet verborgen, nicht in Abſicht auf GOtt, ſondern in Ab⸗ ſicht auf uns Menſchen, weil wir die Urſachen und den Endzweck, warum GOtt dies und jenes thut, weil er einige Menſchen ſo, andere anderſt führet, entweder gar nicht, oder nach langer Zeit, oder nur zum Theil hier, oder erſt in der verklaͤrten Ewigkeit erfahren werden. Betrachtet meine Freunde! dieſen Menſchen, er ſcheinet ganz zum Gluͤck gebohren zu ſeyn, ſeine Handlung iſt bluͤhend, ſeine Nahrung iſt geſegnet, er genießt der dauerhafteſten Geſundheit, es geht ihm alles nach Wunſch und Wil⸗ len, Kreuz, Leiden und Widerwaͤrtigkeit ſcheinen aus ſeinem Hauſe ver⸗

bannt