KAE
geſchaffen. Mit Fug und Recht ſtehe der Mann überall an⸗ erſter Stelle.
Es war ein bitterer Kampf, und die Not unter den Frauen war groß. Wäre dem nicht ſo geweſen, man könnte über die Maivität lächeln, mit der der Mann nicht etwa die Frau, als die Farterbeanlagte, beſonders auszubilden und zu ſchützen ver⸗ ſuchte, um ihr, der Schwächeren, dadurch halt zu geben fürs Leben, ſondern ſie vielmehr hilflos, mit minderwertiger Aus⸗ bildung ins Leben hinein ſchickte, ſie dem hunger und der Demü⸗ tigung, ja ſelbſt der Schande, preisgab. So oft ihm auch die Notlage der Frauen entgegengehalten wurde, er ſuchte immer aufs neue nach Gründen und Kusflüchten, ſein durch die Ge⸗ wohnheit geheiligtes hHerrſcherrecht gegen das ſchwache Ge⸗ ſchlecht zu verteidigen. Widerwillig nur ließ er ſich Konzeſ⸗ ſionen abringen. Von Ritterlichkeit, Gerechtigkeitsgefühl war in dieſem Kampfe auf Seiten des Mannes nur bei ſeltenen Kusnahmenaturen die Rede. Manch anderer aber, der ſonſt wohl unvoreingenommen zu prüfen und zu urteilen befähigt und willens geweſen wäre, fand niemals Zeit, ſich mit ſo unweſentlichen Dingen, wie Frauennot und Frauenwünſche ihm zu ſein erſchienen, ernſtlich zu beſchäftigen. Stille Zufrieden⸗ heit, Abhängigkeit der Frau von dem Willen eines geliebten Mannes erſchien ihm wie den anderen als wünſchenswerteſter Suſtand.
Kber die Frauen konnten nicht ſtill zufrieden, abhängig bleiben. Die Not zwang ſie einfach hinaus, zwang ſie— ich habe das im erſten Kbſchnitte ausführlich dargelegt— zu ſelb⸗ ſtändigem DVorgehen. Auch an die Gattin, die Mutter traten neue, ernſte Kufgaben heran. Mehr und mehr nahm das Berufsleben den Mann in Anſpruch, machte ihm ein gleich⸗ mäßig ruhiges Einwirken auf die Erziehung zur Unmöglich⸗


