keit. Die Frau mußte für ihn eintreten, mußte an ſeiner Stelle die Erziehung der Kinder leiten. Dabei wurden die Verhält⸗ niſſe, in denen die Familien lebten, in die ſie ihre Kinder hin⸗ ausſchickten, immer verwickelter. Der Ronkurrenzkampf wurde härter, die Anforderungen an Wiſſen, an Charahterfeſtigkeit der ins Leben hinaustretenden Kinder wuchſen. Das alles mußte die Mutter berückſichtigen. Sie mußte in vielen Fällen auch pekuniär für ihre Kinder mit eintreten. Wo ſie es nicht tat, weil man ſie unfähig zur Löſung ſolcher ufgaben ins Leben entlaſſen hatte, da war die Not groß. Daß Frauen es waren, die dieſe Not am erſten empfanden, daß Frauen zur Selbſthilfe griffen, von vereinzelten, einſichtigen Männern warm unterſtützt, war natürlich. So entſtand und organiſierte ſich die Frauenbewegung.
Zum erſten Rufer im Streit ward der Allgemeine Deutſche Frauenverein, deſſen erſte programmatiſche Kundgebung ich bereits oben erwähnte. Leipzig ward der Kusgangspunkt und blieb lange Jahre hindurch der Mittelpunkt der deutſchen Frauenbewegung. Abwechſelnd in den verſchiedenſten Städten hielt der Verein— längere Seit gemeinſam mit den unter Lei⸗ tung des Lettevereins ſtehenden Frauen⸗Erwerbsvereinen— Frauentage und Verſammlungen ab, gründete Ortsgruppen und Mitgliedsvereine und wurde durch dieſe im großen Stile betriebene Propaganda und ebenſo durch ſein Vereinsorgan „Neue Bahnen“, das ſeit 1866 ununterbrochen erſcheint, der Bahnbrecher für die deutſche Frauenbewegung. Wir werden auf die Cätigkeit dieſes Dereins noch wiederholt zurückzukom⸗ men haben.
Der erſte, der dann die Frage der Berufsſchulung der Mädchen praktiſch in Angriff nahm, war Präſident Lette. Angeſichts der troſtloſen Zuſtände auf dem Gebiete weiblicher


