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meiſten ein überwundener Standpunkt. Ein Mann von Er⸗ fahrung wählte nach Geld, Ronnexionen oder auch nach an⸗ ziehendem Keußeren, nach einer für den Salon paſſenden„guten Figur“. Gediegene Bildung wurde ebenfalls nur ſelten als Vorzug angeſehen. Naivetät war ja ſo entzückend an Frauen, und die Keußerungen einer Dame ernſt zu nehmen, würde doch keinem verſtändigen Manne eingefallen ſein.
So wurden die reichen, die Mädchen mit einflußreichen Dä⸗ tern und die äußerlich ſich am beſten präſentierenden jungen Da⸗ men als Heiratskandidatinnen am meiſten begehrt, und aus leicht erklärlichen Gründen formte ſich, ſolchem Geſchmacke der Männer zu entſprechen, nach Möglichkeit die heranwachſende weibliche Jugend. Seufzend fanden ſich die Däter hinein, daß der Schein des Reichtums, der Schein einer möglichſt vielſeitigen äußeren und inneren Dreſſur dazu gehörte, ihre Töchterchen an den Mann zu bringen. So kam etwas Oberflächliches, Ungeſundes in unſeren ganzen Verkehr, insbeſondere in den Verkehr zwi⸗ ſchen jungen Männern und Mädchen, die faſt ausnahmslos nur in Geſellſchaften, im Ballſaal, beim Sport, außerhalb jedes charakteriſtiſchen häuslichen Rahmens einander kennen lernten.
Solche Entwicklung aber brachte unſerem Volke kein Glück. Wie ſehr die ehelichen Verhältniſſe, wie ſehr die Erziehung der Kinder durch ſolches Oberflächen⸗ uud Scheinideal, nach dem die Frauen, die Mütter faſt durchweg gebildet wurden, herabgedrückt wurden, das trat erſt langſam zu Tage. Viel ſchneller kam die Not zum Vorſchein unter der die trotz aller Dreſſur vergebens auf einen Mann hoffenden jungen Damen zu leiden begannen, wenn all ihr Sehnen vergebens, wenn der Yater— vor der finanziellen Unmöglichkeit ſtehend, das Ge⸗ ſellſchaftstreiben noch weiter fortzuſetzen— allen weiteren Ver⸗ ſuchen, einen Mann zu bekommen, ein Ende bereitete, indem


