mit einem Worte auszudrücken: der Mann. heiraten galt als einzig ſtandesgemäße Verſorgung für bemittelte wie für unbemittelte Mädchen.
Es lag ſolcher Anſchauung eine durchaus richtige Kuf⸗ faſſung von dem Weſen weiblicher Eigenart zugrunde.
Denn Liebe und Mutterſchaft ſind die ureigenſten Gebiete der Frau, die Gebiete, auf denen ſie mit voller hingabe ihres gan⸗ zen Selbſt Werte ſchafft, die ſich— ſo grundverſchieden ſie auch ſcheinen— den vom Manne geſchaffenen Werten ebenbürtig zur Seite ſtellen. Was die Frau als Gattin, als Geliebte, als Mutter für das Fortſchreiten, die Aufwärtsentwicklung der Familie und damit des Volkes zu leiſten vermag, das wird— was immer Frauen auf anderen Gebieten an Arbeit uns geben— allezeit das Urſprünglichſte, Beſte für ſie und für unſer Volk bleiben.
Kber die heiligkeit der Ehe muß leiden, die Achtung vor der Frau muß ſinken, wenn das Mädchen außer der heirat keinen Weg kennt, ſich eine geſicherte Exiſtenz zu verſchaffen, ihrem Leben Inhalt zu geben.
Sie muß das insbeſondere, wenn die Zahl der Frauen die Zahl der Männer überſteigt, ſodaß das Sich⸗Sehnen nach einem Manne zu einem würdeloſen hürderennen ausartet.
Um der Verſorgung willen heirateten viele Mädchen oder auch aus dem Grunde, weil ſie— unverheiratet— mit ſich und ihrer Zeit nichts anzufangen wußten. Und noch ein drittes ſpielte ſeine Rolle. Sitzen zu bleiben galt für eine große Schande. Solches Odium auf ſich zu nehmen, ſcheuten ſich ſelbſt vermögende Mädchen, die eine Verſorgungsehe nicht nötig gehabt hätten. Und die jungen Männer wußten ihre Chancen wohl zu nützen. Auf die CTüchtigkeit eines Mädchens — ihren Charakter oder ihre häuslichen Kenntniſſe betreffend — kam es nur wenigen von ihnen an. Das war für die


