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Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung / von Elsbeth Krukenberg
Entstehung
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vielen Familien war das der Fall! ſo tat man es wenig⸗ ſtens heimlich, wahrte nach außen hin den Schein, Krbeit nicht nötig zu haben, eineDame zu ſein. Das Urteil der Männer beſtärkte die Frauen in ſolcher Kuffaſſung.

Um ein Beiſpiel zu geben: hätte ein Offizier oder ein höherer Beamter noch vor wenigen Jahren ohne weiteres in Geſellſchaft zugeben mögen, daß ſeine Mutter, ſeine Schweſter erwerbend, berufstätig, vielleicht in abhängiger Stellung ſeien? Das war nicht ſtandesgemäß, mußte alſo, wenn es unvermeid⸗ lich war, zum mindeſten verborgen gehalten werden. Gar mancher Mann nahm das Geld der arbeitenden Frau, aber er ſchämte ſich, von ihrer Arbeit zu ſprechen, ſie als ehren⸗ und dankenswert offen anzuerkennen.

In der hintenanſetzung der berufstätigen Frau gegenüber den Damen der Geſellſchaft fand ſolche Anſchauung in un⸗ ſerem Verkehrsleben einen höchſt charakteriſtiſchen Kusdruck. was dem Manne von jeher zur Ehre gereichte, daß er ein ſchaffendes, nützliches Mitglied der menſchlichen Gemeinſchaft zu ſein ſtrebt, das ſetzte die Frau in den Augen der tonangeben⸗ den ſich ſo gerngebildet nennenden Welt herab, tut es ſo⸗ gar vielfach noch heute. Da man ſich aber auch in dieſen Kreiſen der Einſicht nicht verſchließen konnte, daß es allzuviele mittelloſe, unverheiratete Frauen gab, für die wohl oder übel geſorgt werden mußte, da man ſie aber nicht zu Berufsarbeiterinnen zu degradieren, ſie nicht zu emanzipieren wünſchte, ſo wurden Damenſtifte der beliebteſte Kusweg: Heime, in denen Töchter von Offizieren und Beamten oder ſonſt wohlempfohlenen Per⸗ ſonen ſchon in jungen, alſo noch durchaus leiſtungsfähigen Jahren Aufnahme fanden, um dort ſtandesgemäß verſorgt und zugleich vor der Schmach gerettet zu werden, durch ei⸗

gene Arbeit ihr Brot verdienen zu müſſen.