vorbereitet wie er. Nur Begabung und Fleiß entſchieden über größeres oder geringeres Wiſſen.
Für die höhere Mädchenſchule dagegen galt lange Seit und gilt vielfach noch jetzt als erſtrebenswerteſtes Siel, ſie der Rnabenſchule im Lehrziel und in der Lehrmethode ſo unähn⸗ lich wie möglich zu machen. Klar denken zu lernen, gründ⸗ liches Wiſſen zu erwerben, ſtand einem Mädchen nicht wohl an. Verſtandesbildung bei den Unaben, Kusbildung des Ge⸗ mütes, des äſthetiſchen Sinnes bei den Mädchen, das war das Loſungswort nahezu aller Mädchenſchul⸗Pädagogen bis in den Beginn der neunziger Jahre hinein, bis zu dem machtvollen Kufflammen der Lehrerinnenbewegung, die neue, lebenskräf⸗ tigere Ideale an die Stelle des unklaren, überempfindſamen Frauenideals ſetzte, wie es früheren Seiten vorſchwebte.
Aber noch verhängnisvoller als in der Schule wirkte für unſere Mädchen im hauſe der Einfluß einer den Anforde⸗ rungen des Lebens nicht Rechnung tragenden Erziehung. Welch ein Unterſchied auch hier zwiſchen der Frau aus dem Volke und der CTochter aus guter Familie! Das die Volksſchule be⸗ ſuchende Mädchen kannte von klein auf das Leben, genau wie ihr männlicher Gefährte, ſie ſtand mitten darin. Welt und Menſchen zeigten ſich ihr ungeſchminkt, allzu ungeſchminkt manchmal und von allzu wenig veredelter Seite. Aber im⸗ merhin,— hatte ſie häuslichen oder inneren halt genug, den an ſie herantretenden Verſuchungen nicht ſchon in jungen Jahren zu unterliegen, ſo wußte ſie ſich, dank ſolcher Vertrautheit mit dem wirklichen Leben, frühzeitig in der Welt zurechtzufinden, auch im Erwerbsleben ihren Platz zu behaupten.
Anders das aus beſſeren Kreiſen ſtammende Mädchen. Wohlbehütet, ſorgſam geleitet, von jeder Berührung mit der rauhen Wirklichkeit möglichſt ferngehalten, ungewohnt, ſelb⸗


