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Pastor Vigilans. Oder Christliche Leich-Rede Von Nothwendiger Hut und Wachtsamkeit/ die alle Christen in diesem zeitlichen und vergänglichen Leben/ sonderlich aber Geistliche Seelen-Hirten zuhalten schuldig seynd : Auß Gottes H. Wort/ nach dessen wahrhafftem Vättermässigen Verstand abgehandelt/ und mündlich vorgetragen in hochansehnlicher und sehr Volckreicher Versamblung/ Als deß Hochwürdigsten in Gott Vattern/ Fürsten und Herrns Herrns Damiani Hartardi, Deß Heil. Stuhls zu Mayntz Ertz-Bischoffen/ deß H. Römis. Reichs durch Germanien Ertz-Cantzlers und Chur-Fürstens/ Tods-verblichener Leichnamb in St. Laurentii Capell des Hohen Dhom-Stiffts versencket/ der entleibten Seel aber nach Uhr-alten Catholischem Brauch/ durch das Göttliche Ampt der H. Mess. und übriger Besingnuß die schuldige Suffragia erstattet worden / Durch den Hochwürdigen in Gott Vattern/ und Herrn/ Herrn Adolphum Godefridum, Bischoffen zu Diocletianopel und Mayntzischen Suffraganeum, der H. Schrifft Doctorn, Pastorn und Dhom-Predigern in Mayntz
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ruchloſen verzweifelten Menſchen am Altar ſichtbarlich heimſuchet/ noch vielmehr aber iſt dieſe Heucheley bey der heutigen boͤſen Welt ge⸗ mein/ daß ſich die Menſchen faſt durch gehend von den Suͤnden pro hu⸗ jus mundi honeſtate, wie abermals ſanctus Gregorius redet/ conti⸗ neant. damit ſie nur bey der Welt beſtehen und beſtehen moͤgen/ dieſe bo⸗ ſe Abſtcht iſt die groſe Kranckheit/ daran die meiſte Menſchen kranck li⸗ gen. Gehe einer hin und durchgehe im Geiſtlichen Stand die Colle- gia Metropolitica, Cathedralia Collegiata, die Kloͤſter und Clauſen/ wie viel wird er finden/ die nur bloß pro hujus mundi honeſtate für Sunden ſich enthaltene wann man nur bey der Welt alß ein ehrlicher Mann paſſuren kan/ umb dieſes iſt es hauptſaͤchlich zuthun. Die We⸗ nigſte ſuchen vor Gott in ſimplicitate cordis, in Einfaͤltigkeit deß Her⸗ tzens zu beſtehen/ unter dieſe iſt warlich ohne einige Flatery zu zehlen ge⸗ weſen der Hertz⸗fromme DAMlANUS HARTARDUS, der ſich aller Chriſtlichen Tugenden ex divini amoris ſinceritate, non autem pro hujus mundi honeſtate enthalten. Hat demnach mit dem Koͤnigli⸗ chen Pſalmiſten in ſeinem Introitu anſtimmen und ſagen koͤnnen: Ego autem in innocentia ingreſſus ſum, pes meus ſtetit in directo, in Ec- cleſia benedicam te Domine, ich aber bin in meiner Unſchuld daher gangen/ mein Fuß iſt unausſetzlich in der Auffrichtigkeit beſtanden/ deß⸗ wegen wilich/ OHER/ dich in der Kirchen loben. Dieſes hat Gott gleich ſam wie mit einem Finger durch die heutige Erdbeſtaͤttnuͤß beſiat⸗ ten am Tag aller heiligen unſchuldigen Kindern uns wollen zeigen und zu verſtehen geben. 1 I. Gleich wie Er aber ſehr genaue Achtung auff ſein eigenes Gewiſſen getragen/ alſo hat Er ſich auch in ſeinem Weltlichen Regiment der Vigi⸗ janz und Wachſamkeit embſig befliſſen. Da war ihm keiner zu ra⸗ phinirt/ der dieſen Grund⸗klugen Churfuͤrſten haͤtte koͤnnen hintergehen. Er wuſte ihnen Bald und Langſam zu begegnen. Bald mut treuhertziger Warnung. Langſam mit gebührender ſcharffer Straf/ worinnenſie einen rechtſchaffenen Judiciarium abgeben/ geſtalt Sie dañ eine ſonderbare Heroiſche Neigungjederzeit von ſich ſcheinen laſſen/ Ih⸗ re treue Diener nit weniger zu belohnen/ alß die untreue zu ſtrafen/ wo⸗ durch dem gemeinen Weſen wohl angeholffen/ den liederlichen und treu⸗ loſen Fincken aber der Ziegel von allen Laſtern eingezogen worden. Num. IV. 1Oc 57I 3 20111l 3101 Leich wie nun Chriſtus ſeinen erſtlichen Grundſatz durch das Woͤrt⸗

lein/ VIGILATE, auff den Taͤppig gelegt/ alſo ſetzt er nun ferner Ethiologiam, die Urſach hinzu/ warumb das Wachen ſo nothwen⸗ dig ſey: QUla NESCITIS DIEM NEQUE HORAMI, weil ihr weder den Tag noch die Stunde wiſſet/ wann nemlich die erſchreckliche Tod⸗Staffet einlauffen werde/ da der Allerhoͤchſte euch den ſchwartzen

Brieff durch ſeinen langbeinigten Ralshe zufertigen und hnſagen wird: